Weblog KPAG Kosmidis & Partner – die deutschsprachige Anwaltskanzlei in Griechenland

Deutschland – quo vadis? Teil II

Publiziert am 29.August.2011 von Abraam Kosmidis

Immer mehr stellen sich Viele besorgt die Frage, ob Deutschland eine Änderung seiner EU- und Außenpolitik anstrebt und ob frühere Eckpfeiler deutscher Außenpolitik mittlerweile ihre Bedeutung verloren haben.

Am 26. März 2010 hatten wir den Beitrag Deutschland – quo vadis? auf unserem Blog veröffentlicht, welcher sich anlässlich der Aufstellung neuer Spielregeln für Europa durch die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, mit der künftigen Stellung und Führungsrolle Deutschlands in der EU beschäftigt. Jetzt, fast eineinhalb Jahre später, meldet sich Altbundeskanzler Herr Dr. Helmut Kohl in einem lesenswerten Interview in der IP (Internationale Politik 05/2011) zu Wort und beschäftigt sich mit der deutschen Außenpolitik, der es seiner Meinung nach an Verlässlichkeit mangelt.

Nach Dr. Helmut Kohl sei „die Bundesrepublik seit Jahren keine berechenbare Größe mehr. Es sei dringend an der Zeit, dass Deutschland und Europa ihre Verantwortung wieder verlässlich wahrnehmen“. In dem Interview erinnerte Herr Dr. H. Kohl an die Monate des Umbruchs in den Jahren 1989/90. Dass die Partner und Nachbarn Deutschlands in dieser schwierigen, unsicheren Zeit am Ende fest an der Seite Deutschlands gestanden haben, sei nicht selbstverständlich gewesen und für Deutschland einmal mehr Verpflichtung für die Zukunft. 

Hat Deutschland seinen Kompass verloren?

Danach gefragt, ob Deutschland seinen „Kompass“ verloren habe, antwortete Herr Dr. H. Kohl, dass er sich schon frage, wo Deutschland heute eigentlich stehe und wo es hin wolle. Und diese Frage würden sich andere natürlich auch stellen, auch Freunde und Verbündeten Deutschlands im Ausland.

Ferner führte Herr Dr. Helmut Kohl weiter aus: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alles verspielen. Wir müssen dringend zu alter Verlässlichkeit zurückkehren. Wir müssen wieder und für andere erkennbar deutlich machen, wo wir stehen und wo wir hin wollen, dass wir wissen, wo wir hingehören, dass wir Werte und Prinzipien haben, die über den Tag hinaus gelten, für die wir einstehen und für die wir werben, und wir müssen das vor allem wieder stärker im Miteinander ausmachen und eine gemeinsame Linie finden und dann auch stehenbleiben, auch wenn der Wind uns einmal ins Gesicht bläst. ….. Die transatlantischen Beziehungen, das geeinte Europa, das Miteinander gerade auch mit den kleineren Partnern auf Augenhöhe, die deutsch-französische Freundschaft, die Beziehungen zu den Nachbarn im Osten, vor allem zu Polen, das Verhältnis zu Israel, die Verantwortung für die Welt als Ganzes – das sind elementare Grundpfeiler, mit denen Deutschland immer fest verankert gewesen sei. ….. Wenn Deutschland diese feste Verankerung verlasse, treibe es – im übertragenen Sinne – ohne Kompass und Anker im Weltmeer, laufe also Gefahr, beliebig und unberechenbar zu werden. Die Folgen wären katastrophal: Die Vertrauensbasis wäre verloren, Unsicherheiten breiteten sich aus, am Ende wäre Deutschland isoliert – das kann niemand wirklich wollen.

Deutschland kann sich keine nationalen Alleingänge erlauben

Danach gefragt, ob sich eine „neue deutsche Frage“ stelle, nachdem einige Beobachter zuletzt einen deutschen Trend „weg von der EU“ erkannt haben wollen und ob manche Gedankenspiele für ein deutsches „going global alone“ anstellen würden, antwortete Herr Dr. Helmut Kohl, dass er nicht glaube, dass irgendjemand in Deutschland, der in Verantwortung steht, dies ernsthaft wolle oder verfolge. Ein Blick in die Geschichte Deutschland genüge, um zu erkennen, dass sich jeder deutsche Alleingang verbietet.

Zur Griechenland-Krise befragt, äußerte sich Herr Dr. Helmut Kohl kürzlich in der American Academy in Berlin und erklärte: „Wir gehen unseren Weg, auch mit den Griechen ….. so schwierig dieser Weg sein kann.“ Die Süddeutsche Zeitung beschrieb ihn danach als „Gefühlseuropäer“, der, hätten sich die griechischen Probleme noch zu seiner Zeit gestellt, freigiebiger gewesen wäre als die „Kopf-Europäerin“ Angela Merkel.

In dem Interview mit IP (05/2011) äußerte sich Herr Dr. Helmut Kohl auf die Frage, ob Deutschland noch genügend „leidenschaftliche“ Europäer – oder Außenpolitiker – habe wie folgt: „Am Beispiel Griechenland kann man übrigens schön aufzeigen, was das im Konkreten bedeutet. Die Fehler mit Griechenland wurden in der Vergangenheit gemacht. In der Krise jetzt darf es für uns keine Frage sein, dass wir in der Europäischen Union und in der Euro-Zone solidarisch zu Griechenland stehen, denn Griechenland ist EU-Mitglied und Mitglied der Euro-Zone. Wahr ist aber auch: Mit mir als Bundeskanzler hätte Deutschland der Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone in seiner konkreten Situation – die jedem, der genauer hinsah, nicht verborgen bleiben konnte -, also ohne durchgreifende strukturelle Veränderungen im Land, nicht zugestimmt. Ich weiß, wovon ich rede, ich war schließlich dabei. In den Verhandlungen zum Euro habe ich den Griechen, die schon damals gewaltigen Druck auf uns ausübten, um von Beginn an in der Euro-Zone dabei zu sein, meine ablehnenden Gründe immer deutlich gesagt und daran bis zuletzt – gemeinsam mit Finanzminister Theo Waigel – festgehalten.

Europa benötigt unideologische Maßnahmen

Die gute Nachricht sei allerdings, dass die Fehler heilbar und die Probleme lösbar seien. Was Europa in dieser Krise brauche, sei ein beherztes Zupacken und ein Paket vorausschauender, klug gewogener und unideologischer Maßnahmen, mit dem Europa und der Euro wieder auf einen guten Weg gebracht und für die Zukunft abgesichert werde. Dass die EU nach seiner Amtszeit als deutscher Bundeskanzler in wesentlichen Fragen – wie bei dem Stabilitätspakt und Griechenland – einmal ohne Not hinter das Erreichte zurückfallen sollte, statt weiter nach vorne zu gehen, noch dazu unter deutsch-französischer Führung, hätte das damalige Vorstellungsvermögen von Herrn Dr. Helmut Kohl überstiegen und übersteige es auch heute noch.

Das Interview schloss mit der Bemerkung Herrn Dr. Helmut Kohls, dass die wichtigste außenpolitische Priorität für ihn sei, dass Deutschland und Europa ihre Verantwortung für die Welt als Ganzes endlich wieder wahrnehmen.



Die deutsch-griechischen Wirtschaftsbeziehungen

Publiziert am 17.November.2009 von Abraam Kosmidis

Der nachfolgende Beitrag bestätigt eindrucksvoll die besonderen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland anhand von Fakten.
Für Unternehmen, welche auf der Suche nach einer günstigen Gelegenheit für ein Auslandsengagement sind, sollte Griechenland als frühes und stabiles EU Mitglied und aufgrund der guten Handelsbeziehungen zu Deutschland, aber auch wegen seiner besonders attraktiven geopolitischen Lage auf dem Balkan, als Standort bzw. für ein Investment stets in die engere Wahl gezogen werden.

QUELLE: DEUTSCH-GRIECHISCHE INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER JAHRESBERICHT 2008
DIE DEUTSCH-GRIECHISCHEN WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN
VON MICHAELA BALIS, LEITERIN DER WIRTSCHAFTSABTEILUNG

HANDELSBEZIEHUNGEN
Deutschland war auf der Grundlage der gesamten Handelsbeziehungen auch im Jahr 2008 der wichtigste Handelspartner Griechenlands. In der Rangfolge der Handelspartner allerdings nahm auf der Seite der griechischen Exporte Italien den ersten Platz ein. Gemäß den Angaben des Nationalen Statistischen Amtes für 2008, aber auch nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes, sind die deutsch-griechischen Handelsbeziehungen im Jahr 2008 wertmäßig um ungefähr 0,4% und 0,76% jeweils zurückgegangen . Insbesondere gemäß den Angaben des Nationalen Statistischen Amtes lag der Wert der bilateralen Handelsbeziehungen 2008 bei 9.059 Mio. Euro. Legt man die Außenhandelszahlen des Statistischen Bundesamtes für 2008 zugrunde, erreichte der bilaterale Handel 9.885 Mio. Euro.
Italien war 2008 das wichtigste Abnehmerland griechischer Produkte mit einem Anteil von 11,5%, wobei der Anteil Deutschlands (an der zweiten Stelle) bei 10,2% lag. . Der Anteil Deutschlands an den Gesamteinfuhren Griechenlands lag 2008 bei 11,9% , gefolgt von Italien mit 11,4% .
Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes nahm Griechenland in der Rangordnung der Handelspartner Deutschlands für 2008 auf der Seite der Importe den 43. Platz ein. Zum Vergleich: Rumänien (29. Platz), Portugal (33. Platz), Türkei (20. Platz). Der Anteil Griechenlands an den deutschen Importen lag 2008 bei 0,23% (1.935 Mio. Euro).
Auf der Ausfuhrseite verschlechterte Griechenland seinen Platz (24. Platz gegenüber dem 22. im Jahr 2007). Der Anteil Griechenlands an den deutschen Exporten lag 2008 bei 0,82%.
Gemäß diesen Angaben sind die deutschen Importe aus Griechenland im Vergleich zum Vorjahr wertmäßig um 6,30% gesunken. Dieser Rückgang liegt nach den Angaben des Nationalen Statistischen Amtes bei -8,03%. Die deutschen Lieferungen nach Griechenland haben 2008, nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes, um 4,54% und nach den Angaben des Nationalen Statistischen Bundesamtes um 1,7% im Vergleich zum Vorjahr zugelegt.

DEUTSCHE ZAHLUNGSBILANZ MIT GRIECHENLAND
Mio. € 2008 2007
Leistungsbilanz, Saldo 4.963 4.355
Warenhandel, Saldo 6.268 5.813
Deutsche Lieferungen nach Griechenland 8.267 7.955
Deutsche Bezüge aus Griechenland 1.999 2.143
Dienstleistungen, Saldo -2.826 -2.860
Einnahmen 1.030 907
Ausgaben 3.856 3.767
Laufende Übertragungen, Saldo -562 -572
Kapitalbilanz (Netto-Kapitalexport) -5.230 3.605
Deutsche Anlagen, netto -4.685 2.087
darunter: Direktinvestitionen -2.748 -362
Wertpapiere 1.050 1.462
Griechische Anlagen, netto -546 1.1518
darunter: Direktinvestitionen 9 32
Wertpapiere 774 1.422

Quelle: Deutsche Bundesbank

Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes für die ersten fünf Monate (Januar-Mai) des laufenden Jahres (2009) und aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise wurde eine äußerst negative Entwicklung der bilateralen Handelsbeziehungen registriert, die wertmäßig um eindrucksvolle 22 Prozent zurückgegangen sind. Die deutschen Lieferungen nach Griechenland sind um 25% geschrumpft und die griechischen Lieferungen nach Deutschland um 8,17 Prozent zurückgegangen sind.
Im Zeitraum von Januar bis März 2009 sind nach den aktuellsten Angaben des Nationalen Statistischen Amtes die deutschen Lieferungen nach Griechenland und die griechischen Lieferungen nach Deutschland um ungefähr 21% geschrumpft, immer im Vergleich zum Vorjahrsniveau.

DIENSTLEISTUNGSVERKEHR MIT GRIECHENLAND
Mio. € 2008 2007
Einnahmen, insgesamt 1.030 907
Reiseverkehr 295 291
Transportleistungen 371 250
Versicherungsdienstleistungen 27 32
Finanzdienstleistungen 38 50
Übrige Dienstleistungen 234 217
Ausgaben, insgesamt 3.856 3.767
Reiseverkehr 1.821 1.720
Transportleistungen 1.726 1.710
Versicherungsdienstleistungen 1 1
Finanzdienstleistungen 7 12
Übrige Dienstleistungen 301 323

Quelle: Deutsche Bundesbank

Unter den deutschen Warenlieferungen nach Griechenland dominieren die Enderzeugnisse und die Erzeugnisse tierischen Ursprungs (Januar-Mai 2009: 70,79% und 6,93%) . Die wichtigsten Warengruppen nach den Warenuntergruppen (EGW 2002) waren die „Pharmazeutischen Erzeugnisse“ mit einem Anteil von 11% und die „Personenkraftwagen Wohnmobile“ mit einem Anteil von 8,41% an den Gesamtlieferungen Deutschlands nach Griechenland, sowie die „Büromaschinen“ (3,5%).
Enderzeugnisse und Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs prägten in der Referenzperiode – Januar-Mai 2009 – die Güterstruktur griechischer Lieferungen nach Deutschland (41,6% und 22% jeweils) . „Pharmazeutische Erzeugnisse“, „Bekleidung aus Baumwolle“ und „Bekleidung a. Gewirk. und Seide“ waren die absatzstärksten Enderzeugnisse auf dem deutschen Markt. Am Gesamtabsatz griechischer Erzeugnisse in Deutschland erhielten sie jeweils Anteile von 16,5%, 4,9% und 4,25% jeweils.
Das Defizit (aus griechischer Sicht) in der bilateralen Handelsbilanz ist gemäß den Angaben der deutschen Bundesbank im Jahr 2008 wertmäßig um 7,8 Prozent gestiegen, von 5.813 Mio. Euro auf 6.268 Mio. Euro. Die Bilanz der Dienstleistungen konnte wieder mit einem Positivsaldo für Griechenland abschließen, lag jedoch 1,2% unter dem Vorjahrsniveau bei 2.826 Mio. Euro. Die griechischen Netto-Einnahmen aus dem Reiseverkehr mit Deutschland lagen 2008 bei 1.821 Mio. Euro und verzeichneten ein Plus von 5,8 Prozent.

INVESTITIONEN
Die unmittelbaren deutschen Investitionen in Griechenland sind in den zurückliegenden Jahren – in kleinen Schritten zwar aber dafür kontinuierlich – gewachsen, auch wenn es nicht gelungen ist, Schlüsselindustrien nach Griechenland zu ziehen. Allerdings wurde im Jahr 2007 (aktuellste Daten) eine leichte Steigerung registriert.
Der Anteil Griechenlands an den deutschen Direktinvestitionen im Ausland ist leicht zurückgegangen von 0,24% im Jahr 2006 auf 0,23% im Jahr 2007. 2006 lagen sie bei 1.712 Mio. Euro, erreichten jedoch im Jahr 2007 einen Betrag von 1.917 Mio. Euro, eine Steigerung von ungefähr 12 Prozent.
Mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Investitionskapitals in Griechenland konzentrierte sich 2007 gemäß den Angaben der Deutschen Bundesbank (unmittelbare und mittelbare deutsche Direktinvestitionen in Griechenland nach Wirtschaftszweigen der deutschen Investoren) auf den Wirtschaftszweig der Investoren: “Grundstücks- und Wohnungswesen, Vermietung beweglicher Sachen, Erbringung von Dienstleistungen überwiegend für Unternehmen“ (unmittelbare: 1.070 Mio. €, Anteil: 55,8%, mittelbare und unmittelbare: 1.258 Mio. €, Anteil: 62%) und besonders auf die Beteiligungsgesellschaften (mittelbare und unmittelbare: 1.136 Mio. €, 56%). 27,8 Prozent der unmittelbaren Investitionen konzentrierten sich auf das „Verarbeitende Gewerbe“ (534 Mio. €). Davon entfielen 132 Mio. € auf die „Herstellung von Kraftwagen und Kraftwarenteilen“ und 126 Mio. € auf die „Chemische Industrie“.
DEUTSCHE INVESTITIONEN IN GRIECHENLAND (IN MIO. EURO)
2004 2005 2006 2007

UNMITTELBARE INVESTITIONEN
1641 1618 1712 1917
Anzahl 130 128 131 128
Beschäftigte in Tsd. 18 19 24 22
Jahresumsatz (in Mrd. €) 5,9 6,1 6,9 7,5

Quelle: Deutsche Bundesbank

Das Investitionskapital für das „Grundstücks- und Wohnungswesen“ ist im Vergleich zum Vorjahr (2006) um 22 Prozent gestiegen, während das Investitionskapital für das „Verarbeitende Gewerbe“ um 6,975 Prozent zurückgegangen ist. 164 Mio. Euro wurden im Bereich „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und Gebrauchgütern“ investiert. Dieser Bereich wies einen Zuwachs von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf.
In Griechenland gibt es ungefähr 128 deutsche Unternehmen, die 22.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von ungefähr 7,5 Mrd. Euro tätigen (Angaben 2007)

QUELLE: DEUTSCH-GRIECHISCHE INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER JAHRESBERICHT 2008