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Griechenland – Überlegungen zum Focus Artikel „Betrüger in der Euro-Familie“

imagesDie Titelseite des neuen Focus: „Betrüger in der Euro-Familie“ ist beleidigend, populistisch und für ein Magazin mit dem Anspruch von Focus unwürdig

Die Griechen sind überrascht. Überrascht und bestürzt über so viel Feindseligkeit aus einer Seite, von der sie es nicht erwartet hätten. Es geht zum Teil deutlich unter die Gürtellinie. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ heißt es im deutschen Grundgesetz. Das gilt erst recht auch für die Würde einer ganzen Nation und ihrer Kulturgüter. Mit dem Titelblatt des Focus sind die Grenzen des guten Geschmacks deutlich überschritten. Einige der Veröffentlichungen zum Thema „Griechenland Krise“ haben mittlerweile unterstes Niveau erreicht.

Man fragt sich, was die auf der aktuellen Titelseite des Focus Magazins http://www.focus.de/magazin/ abgebildete antike Aphrodite von Milos mit einer obszönen Geste und dem daneben stehenden Kommentar „Betrüger in der Euro- Familie“ eigentlich darstellen, bzw. was mit der obszönen Geste eines Kulturdenkmals und dem besagten Text unterstellt werden soll ? Wer ist also mit „Betrüger in der Euro-Familie“ gemeint und wer zeigt wem die obszöne Geste ? Das Sinnbild der Aphrodite steht für das antike Griechenland, welches heute durch den hellenischen Staat repräsentiert wird. Ist es demnach also der griechische Staat, oder gar alle „Griechen“ , auf die sich der Artikel als Nation bezieht, oder was sonst soll durch das reißerische Titelblatt vermittelt werden ? Wird jetzt eine ganze Nation in Sippenhaftung genommen, ohne den wirklichen Ursachen der Krise auf den Grund zu gehen ? Oder sollen gar sinnbildlich die Fundamente und gemeinsamen Werte der europäischen Kultur, welche zum Teil ihren Ursprung in der griechischen Antike haben, erschüttert werden ? Wer kann daran ein Interesse haben ? Diese Art von Journalismus ist beleidigend, populistisch und diskriminierend. Für ein Magazin mit dem Anspruch des Focus unwürdig.

Ein gemeinsames, starkes Europa stellt eine Einbahnstraße ohne Alternative für die Zukunft der Europäer dar. Der Traum von einem großen Europa gerät aber ins Wanken. Die Europa-Gegner freuen sich und reiben sich die Hände. Viel zu schnell erklang doch der Ruf danach, dass Griechenland jetzt „raus aus der EU und der Eurozone“ solle. Man kann sich nur noch verwundert die Augen reiben:  Das kann doch alles einfach nicht wahr sein. Bei der erst besten Gelegenheit scheinen bestimmte Kreise die EU in eine existenzielle Krise hineinreden zu wollen. Wer profitiert davon ? Was soll aus der EU überhaupt einmal werden, wenn gegenüber einzelnen Staaten sofort der Ruf nach drastischen Maßnahmen erklingt. Wo bleibt die Solidarität und der Zusammenhalt unter den EU-Staaten ?

Überhaupt der Begriff „PIIGS“ Staaten. Die Abkürzung steht für Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien. Ist die Abkürzung zufällig gewählt und wenn ja, wieso hat man nicht zB „GIIPS“ gewählt um naheliegende Assoziationen zu vermeiden ? Ist das alles nur Zufall, fragt man sich. Die neue Qualität des Umgangs miteinander, welcher in dieser Form bislang noch nicht bekannt war, ist jedenfalls beängstigend.

Fest steht, dass die finanzielle Krise nicht in Griechenland sondern in den USA begonnen hat. Der dadurch ausgelöste „Tsunami“ musste früher oder später auch in Griechenland ankommen. Die in Griechenland zweifellos seit Jahren vorhandenen Probleme wurden in der Vergangenheit nicht von der ausländischen Presse thematisiert oder bestenfalls als Randnotiz aufgegriffen. Warum ist Griechenland also ausgerechnet jetzt und in dieser Schärfe in den Mittelpunkt geraten ? Andere Länder haben ähnliche Probleme, stehen aber sprichwörtlich nicht im „Focus“. Darüber hinaus sind die Texte und Darstellungen zum Teil despektierlich, beleidigend und entwürdigend, und mittlerweile auch weit entfernt von objektivem Journalismus. Es fällt nach alledem schwer zu glauben, dass „nur“ die Spekulanten mit ihren finanziellen Interessen hinter allem stecken sollen und nicht etwa die Kräfte, welche ein Interesse am Auseinanderbröckeln der EU-Gemeinschaft haben.

Viel verheerender ist jedoch der Eindruck, welcher durch diese Behandlung des EU-Mitgliedsstaates Griechenland (immerhin seit 1981 Mitglied) auf die EU insgesamt projiziert wird: Es soll der Eindruck vermittelt werden, dass sich die EU weit entfernt von einem einheitlichen und stabilen politischen Gebilde befindet und dass die EU lediglich eine lose Interessengemeinschaft zur Verfolgung individueller und nicht kollektiver Interessen darstellt. In „guten“ und in „schlechten“ Zeiten scheint nach dem Willen bestimmter Kreise für diese Schicksalsgemeinschaft nicht zu gelten.

Diejenigen, welche jetzt nach drastischen Maßnahmen gegen Griechenland und die übrigen EU-Staaten mit hoher Staatsverschuldung wettern, müssen sich aber im klaren darüber sein, dass das Nationalstaatenmodell zukünftig aller Wahrscheinlichkeit nach ein Auslaufmodell darstellen wird und dass die europäischen Nationalstaaten nur dann eine Chance haben werden, auf der internationalen politischen Bühne mitzureden, wenn es gelingt die Kräfte Europas in einem „gemeinsamen Haus“ zu bündelt und zu vereinigen. Nur so wird man in Zukunft gegenüber den aufkommenden Weltmachten wie China, Indien aber auch gegenüber den USA wettbewerbsfähig sein bzw. auf Augenhöhe bleiben können. Mit nationalen Alleingängen wird das nicht zu bewältigen sein.

Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass die großen Exportnationen, wie zB Deutschland ungleich mehr von der Abschaffung der Handelszölle und dem freien Warenverkehr innerhalb der EU profitieren. Hinzu kommt noch, dass in den Jahren 2004-2008 insgesamt 13% der gesamten Waffenexporte Deutschlands nach Griechenland erfolgt sind. Ein hoher wirtschaftlicher Faktor, auch für deutsche Verhältnisse. Auf die deutsch-griechische Freundschaft war und ist man stets stolz gewesen. Allerdings wird dieser Tage ohne erkennbaren Grund viel Porzellan zerschlagen. Man fragt sich weshalb plötzlich in dieser Schärfe. Auch das sollte man bedenken, wenn man Griechenland und die Griechen kollektiv an den Pranger stellt.

Allerdings ist den Foren und Blogs ist zu entnehmen, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen diese Art der Verunglimpfung und Beleidigung einer ganzen Nation durch Teile der Presse ablehnt. Das lässt für die Zukunft hoffen und stellt den positivsten Aspekt in dieser ganzen Sache dar.


83 Antworten zu “Griechenland – Überlegungen zum Focus Artikel „Betrüger in der Euro-Familie“”

  1. Richie sagt:

    An Anwaltsgesellschaft

    Der Bericht ist nur teilweise korrekt. Natürlich sind die Auswirkungen für alle Beteiligten jetzt fatal. Hinterher ist sowieso jeder schlauer, am meisten diejenigen, die vorher nichts gesagt haben. Dass ein Herr Prof. Dr. Gustav A. Horn jetzt aber den schwarzen Peter nach Deutschland reicht, ist aber ein Witz!

    Die Bundesregierung konnte doch praktisch kaum schneller reagieren, weil die Schuldenübernahme eines Staates nach den EU-Verträgen grundsätzlich verboten ist!! Oder habe ich da was falsch verstanden? Es glaubt doch aber keiner, dass Griechenland jemals die Kreditzusagen bedienen kann, die die EU jetzt bereitstellt. Egal wie, es musste also zunächst über eine Lösung beraten werden. Man kann sich jetzt darüber aufregen, dass alles hätte viel schneller gehen müssen. Dass aber die EU mit den vielen Staatschefs nicht wie ein Obama mal schnell was entscheiden kann, ist auch nicht neu.

    Daher behaupte ich, dass in dieser Phase der Offenbarung Griechenlands die griechische Regierung ebenso die Hauptschuld für die verschleppten Verhandlungen trägt, genauso wie für das Finanzdebakel selbst.

    Denn es packten griechische Politiker gegen Deutschland öffentlichkeitswirksam die Nazi-Keule aus, anstatt mit der gebotenen Sorgfalt vorzugehen. Wirklich sehr intelligent! Dann kamen noch andere Schlaumeier, die sagten, Deutschland wäre zu stark und benachteiligt die anderen Länder. Bravo, macht es wirklich Sinn, sich dem Schwächsten anzupassen, nur damit der auch mitkommt? Die Asiaten freuen sich über soviel Naivität, die überrollen uns in ein paar Jahren, wenn wir so weitermachen.

    Vergessen sollten wir ebenfalls nicht, dass Griechenland nachweislich jahrelang getrickst hat. Wer so lange betrügt, dem gegenüber ist man zunächst einmal zu Recht misstrauisch. Hätte die deutsche Politik pauschal erstmal alles versprechen sollen, so wie es jetzt im Nachhinein verlangt wird? Das wäre politischer Selbstmord und kaum angemessen gewesen. Dass am Ende alles teurer wird, ist der hohe Preis für die Einhaltung von Verträgen. Entweder man ist dazu bereit oder eben nicht.

    Eines noch: Trotz der scheinbaren Lösung kündigten viele Menschen hierzulande jetzt Verfassungsklage an – eben weil EU-Verträge gebrochen werden. Dabei ist unerheblich, dass findige Advokaten Wege gefunden haben, die Hilfen an Griechenland scheinbar rechtlich gesichert zu leisten. Denn es geht um die vorsätzliche Missachtung geschlossener Verträge. Die werden gerade gebrochen.

    Auch das war Griechenland bekannt. Es hätte besser bereits früher den Canossa-Gang zum IWF angetreten. Aber wie gesagt, hinterher schlau daherreden ist immer einfach. Das gilt auch für meinen Kommentar. Aber ich bin zum Glück kein Fachmann, ich frage mich dennoch wo die alle waren, als die Kacke in den Ventilator flog.

  2. Helmut Kolodzey sagt:

    „Kokolores“ sagt am 26. April 2010, um 22:23 Uhr nur Kokolores (Unnsinn)! Wahrscheinlich kann er die Wahrheit nicht vertragen.

  3. wundert mich nicht sagt:

    Es war seit langem bekannt, dass Griechenland inpuncto Staatsverschuldung seit Jahrzehnten niemals die wahren Zahlen bekannt gab und sich somit, auf Lug und Trug basierend Zahlen, Zutritt in die EU verschaffte.
    Selbst in Griechenland ist Betrug kein Kavaliersdelikt !

    Und ein Straftäter hat dann auch die Konsequenzen zutragen und sich nicht hinter Ausflüchten und Schuldzuweisungen aus der Historie eines Volkes zu verstecken.
    Denn auch in der Historie Griechenlands, jedoch länger zurückliegender, gab es plündernde und mordende Heeresführer als Staatsoberhäupter.
    Daher sollte man, im Glashaus sitzende, nicht in Versuchung geraten, mit Steinen zu werfen.

    Fakten und Daten hierzu siehe nachfolgenden Link :

    http://www.rp-online.de/politik/ausland/Griechenland-log-beim-Euro-Beitritt_aid_68839.html

  4. Sarah sagt:

    Ich kann natürlich nicht gutheißen, dass Griechenland jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gewirtschaftet haben, sich stark verschuldet haben und auch nach außen hin Dinge verschleiert haben.

    Daher sollte doch ein gegenseitiges Verständnis da sein: Die Griechen finden es schlimm, dass sie für das Versagen ihrer (früheren) Regierung(en) geradestehen und zahlen müssen. Die Deutschen Steuerzahler finden es ebenso ungerecht, dass sie für diese Dinge zahlen müssen. Warum kann man sich da gegenseitig nicht verstehen und helfen, sondern schiebt sich gegenseitig den schwarzen Peter zu, in dem man sich Vorurteile an den Kopf knallt? Ich finde es erschreckend, dass „alle Griechen“ als faul und betrügerisch dargestellt werden. Ich finde es furchtbar, dass in den griechischen Medien und auf hunderten von Videos auf youtube alle Deutschen als Nazis dargestellt werden, die Griechenland in diese Krise getrieben haben! Das ist doch schlimm! Wir sind in Europa so weit gekommen, haben so lange Frieden miteinander und mit der EU eine einzigartige Gemeinschaft. Wir haben es geschafft, eine einheitliche Wirtschafts- und Währungszone zu schaffen. Klar ist die EU und die EWWU bei weitem nicht perfekt, aber sie ist in der Welt ein einzigartiges Beispiel, wie so viele unterschiedliche Länder in Frieden miteinander auskommen! Warum muss man das jetzt schlecht reden und zerstören, bloß weil wir uns in schwierigen Zeiten befinden? Wer weiß, wann Deutschland einmal Hilfe braucht – wir sollten nicht zu laut schreien! Aber die Griechen müssen auch verstehen, dass die EU kein Goldesel ist und die Mitgliedschaft dort nicht nur mit Forderungen, sondern auch Verpflichtungen einhergeht – auch sie müssen ihres dazu tun, sie müssen sich selbst helfen und können sich nicht ausschließlcih auf andere verlassen. Wenn sich beide Seiten bemühen, ist es zu schaffen. Europa ist eine „Schicksalsgemeinschaft“, nicht nur in guten Zeiten! Unsere Länder sind lange genug durch Hass, Krieg, undurchlässige Grenzen und Gewalt getrennt gewesen. Mit Entstehen der EU ist dies überwunden worden! Keine Grenzen, Waren aus ganz Europa, Urlaub ohne Passkontrolle und Geldwechseln, Studieren im Ausland, Austausch mit anderen Kulturen, Gäste in Deutschland aus aller Welt – ich will darauf nicht verzichten! Ich hoffe, diese Krise zerstört diese Errungenschaften nicht. Denn dass die EU ein zerbrechliches Gebilde ist, das sollte jedem bewusst sein.

    • Abraam Kosmidis sagt:

      Sarah,
      vielen Dank für den Kommentar und das tolle Bekenntnis zur EU, das ich uneingeschränkt teile.
      Wir benötigen mehr und nicht weniger Europa, was jedoch nicht mit mehr Bürokratie zu verwechseln ist.
      Das Zusammenwachsen zu einem Bundesstaat der europäischen Länder wurde bislang leider stark vernachlässigt. Die EU ist derzeit im Wesentlichen noch eine EWG also eine gemeinsamer Wirtschaftsraum, teils mit gemeinsamer Währung. Das Gefälle zwischen den einzelnen Staaten der EU in Sachen Verwaltung, Staatshaushalt etc. ist u.a. auch eine Folge der fehlenden zentralen Koordinierung zwischen den Ländern in wesentlichen Bereichen. Bei einer gemeinsamen Innen-, Aussen- und Wirtschaftspolitik hätte der Einstieg in die EU über das derzeit finanzschwache Mitglied Griechenland und der Angriff auf den Euro etc. nicht so leicht erfolgen können.

  5. Richie sagt:

    Sehr geehrter Herr Kosmidis,

    in der EU-Zone verursacht die jetzige Krise – in der Dimension letztlich ausgelöst durch die Höhe des Defizits und den Vertrauensverlust aufgrund des Betrugs an Griechenlands Staatsfinanzen – nicht nur Besorgnis, sie motiviert auch zum Umdenken und wird zweifellos Europa verändern.

    Deutschland befindet sich geradezu im Schock. Menschen haben tiefe Angst um ihr Geld, ihre Zukunft und letztlich um den Frieden und Wohlstand in Europa. Unsere Politiker diskutieren mittlerweile aktiv, wie man die Verschuldung, die auch ohne die Belastung durch Griechenland zu hoch ist, ernsthaft in den Griff bekommen kann.

    Während mittlerweile also konstruktiv an dem Thema gearbeitet wird, ereilen uns jedoch aus Griechenland täglich Meldungen über immer wieder neue Streiks und den entsprechenden Problemen dazu (Müll bleibt liegen, Flughäfen dicht etc.). Heute am 20. Mai ist wieder ein Generalstreik angesagt.

    Die Welt nimmt mit großer Besorgnis und Befremden zur Kenntnis, dass Griechenland sich scheinbar nicht verändern will. Mit der ablehnenden Haltung zur Krisenbekämpfung werden die Finanzmärkte jeden Tag aufs Neue provoziert. Das ist den Griechen bewusst, daher muss man mittlerweile die Frage stellen, ob das gewollt ist? Es gehört nicht viel dazu, etwas mutwillig zu zerstören, was vorher mühsam aufgebaut wurde. Jeder Grieche sollte sich endlich besinnen, dass er selbst eine Verantwortung in der Krise zu tragen hat, weil er sie wesentlich mitverschuldet hat.

    Es wäre dringend geboten, durch Beendigung der Streiks endlich mit kollektivem Aufräumen zu beginnen, um der Welt ein positives Signal zu senden. Selbst kein Streik wäre ja schon gut. Wenn nicht, wird Griechenland den Tourismus und dadurch eine der letzten wichtigen Einnahmequellen verlieren und alles wird noch viel schlimmer. Meinen Sie dieses Jahr haben noch viele Menschen Lust auf Griechenland? Wie ich gelesen habe, hagelt es Stornierungen ohne Ende.

    Darüber hinaus demonstriert Griechenland massiv gegen die EU. Sind die Streikenden sich eigentlich im Klaren darüber, dass sie sozusagen für einen Austritt aus der EU streiken mit allen Konsequenzen, die das nach sich zieht? Was ist die Alternative zur EU?

    Auch ist die Idee, wiederholt auf die Rettungskräfte zu schimpfen oder zu behindern, schon ausgemacht blödsinnig. Also wenigstens helfen lassen und beiseite treten wäre angebracht, wenn man schon selber unfähig oder zu bequem dazu ist. Ohne Nothilfe ist Griechenland bankrott, weil das Vertrauen dahin ist. Soviel sollte mittlerweile jeder durchschnittlich begabte Grieche begriffen haben. Streiks befördern kein Vertrauen.

    Wenn es noch genug Griechen mit Verantwortungsbewusstsein gibt, dann sollten sie sich dringend aus der Deckung bewegen, denn es ist höchste Zeit die Probleme anzupacken. Europa hat wegen Griechenland Probleme, nicht umgekehrt.

    • Abraam Kosmidis sagt:

      Sehr geehrter Richie,
      vielen Dank für das posting aber hier bin ich zum Teil leider anderer Meinung, ohne die selbstverursachten Probleme Griechenlands im Geringsten herunterspielen zu wollen. Aber die Krise wurde nicht durch die Höhe des Defizits von Griechenland verursacht, sondern hat meines Erachtens verschiedene Gründe, die mit Griechenland ursprünglich relativ wenig zu tun hatten. Zum einen begann die Krise bekanntlich mit der Lehman Pleite in den USA. Dann schwappte die Krise nach Europa. Die Spekulanten sahen dann in dieser Krise eine große Chance um aus ihr Kapital zu schlagen. U.a. setzten sie sich dabei zum Ziel, das Euro-Dollarverhältnis auf Parität zu drücken. Hierzu benötigte man einen Angriffspunkt. Griechenland mit seinen hausgemachten Problemen, hohen Schulden und kaum Wirtschaft, lag da als als schwächstes Glied in der EU-Kette und damit als Einstieg mehr als nahe.
      Als dann Entschlossenheit, Solidarität und Einheit durch die EU und die Euro Länder geboten war, stellte sich ausgerechnet Deutschland monatelang gegen eine Hilfe Griechenlands quer, was Wasser auf den Mühlen der Spekulanten war und den Druck auf den Euro und die EU weiter erhöhte. Die Kritik von den übrigen EU und Euro-Ländern wurde deshalb bekanntlich deutlich formuliert.
      Darüber hinaus fand in der Presse eine Demontage Griechenlands und der Griechen mit einer kaum zu überbietenden Häme statt, welche mE absolut unakzeptabel und zum Teil auch völlig unseriös war. Dies trägt bis jetzt zu einem verzerrten Bild über die tatsächlichen Vorgänge in Griechenland und dem, was die große Mehrheit im Lande wirklich denkt, bei.
      Da es an Entschlossenheit und an Instrumenten zur Abwehr von Attacken gegen den Euro und die EU fehlte, hat sich die Krise ständig ausgeweitet. Schließlich gelangte man doch noch zu der Erkenntnis, dass es letztendlich nur über Solidarität und Ausbau des unfertigen Gebäudes der EU gehen könne. Eine späte und mittlerweile teuer zu bezahlende Erkenntnis, aber immerhin.
      Was nun die Griechen und Griechenland anbelangt verurteile ich persönlich wie übrigens auch sehr viele andere Griechen, sowohl die Vorkommnisse als auch insbesondere die Demonstrationen und die Aufrufe zu solchen, welche im wesentlichen durch Unbelehrbare, Gewerkschaften und linke Gruppierungen erfolgen. Andererseits sollte bedacht werden, dass der im Fernsehen vermittelte Eindruck, dass „ganz Griechenland streikt, demonstriert und angeblich gegen die Mittel der Krisenbekämpfung sein soll“ nicht den Tatsachen entspricht. In Griechenland herrscht eine große Akzeptanz und Einsicht hinsichtlich der erforderlichen Massnahmen. Wenn 100.000 Menschen demonstrieren, bedeutet dies im Falle Griechenlands als Umkehrschluss, dass dann fast 11 Mio. nicht demonstrieren. Wurde von diesem, bei weitem höheren Teil der Bevölkerung jemals ein Interview gesendet ? Wohl nein, weil das nicht so spektaulär für die Medien wäre, wie der vermittelte Eindruck.
      Absolut falsch ist auch, dass „Griechenland gegen die EU demonstriert“. „Die Griechen“ haben noch nie gegen die EU demonstriert. Mit diesen Verallgemeinerungen sollte einfach mal Schluss sein. Es ist nur ein kleiner Teil, welcher schon seit Jahrzehnten gegen die EU, die Nato, den Euro, usw. demonstriert hat. Das ist ebensowenig neu, wie die Probleme, die Griechenland schon seit ca. 30 Jahren vor sich herschleppte, was bis zum Ausbruch der weltweiten Finanzkrise jedoch niemand interessiert hat. Dass die Durchführung von Reformen und eisernen Sparmassnahmen ohne Alternative ist, wissen die allermeisten Griechen und befürworten das. Andererseits stellt man sich jedoch auch die Frage, wie diese Schulden abbezahlt werden sollen, wenn weder finanzielle Mittel zur Schaffung wirtschaftlicher Anreize zwecks Generierung von Steuereinnahmen zur Verfügung stehen und dann auch noch eine Demontage des Landes stattfindet, die zu einem erheblichen Schwund der Einnahmen aus dem Tourismus führen.

      Ich teile auch nur eingeschränkt Ihre Meinung, dass Europa (nur) wegen Griechenland Probleme hat. Es war nur eine Frage der Zeit bis die Probleme der EU und des Euros zu Tage getreten wären, weil sich die EU lediglich in ihrer Erweiterung und der ständigen Erschließung neuer Märkte erschöpft hatte, anstatt den politischen, staatlichen und finanzwirtschaftlichen Ausbau der EU zu voranzutreiben. Es ist abwegig zu glauben, dass Griechenland mit seinen 2,6% Anteil am BSP der EU ohne den Einfluß weiterer Faktoren in eine derartige Krise hätte stürzen können.

  6. Südeuropäer sagt:

    Eine Währungszone kann auf Dauer nicht bestehen, wenn die Unterschiede in den Leistungsbilanzen der Volkswirtschaften übergroß werden. Die Wirtschaftspolitik müsse europäisch koordiniert werden. Wenn man die Euro-Peripherie-Länder nur als billige Lieferanten von Arbeitskräfte und Ferienangebote betrachtet, dann ist der Rettungsplan für den Euro vertane Mühe. Die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder muss wieder ergestellt werden. Dies kann nur geschehen in dem man Produktionskapazitäten für hochwertige Produkte mit entsprechenden Löhne auch in diesen Ländern schafft. Eine gerechtere Arbeitsteilung innerhalb der Eurozone ist unabdingbar.

  7. Halbgriechin sagt:

    Liebe Gemeinde,
    Schuldnerfrage hin oder her: was mich aus Griechenland an blogs, e-mails erreicht geht unter die Gürtellinie: da wurden noch vor einer Entscheidung unsere Politiker verunglimpft – das war beleidigend und ging unter die Gürtellinie. Jetzt wird sich ein Spässchen draus gemacht, wie toll die Griechen in ihrem Land leben können, direkt am Meer, wie sauber dies doch wäre…., wie gesellig sie sind wie spießig die Deutschen sind, die Wiege der Demokratie, stolz sind auf ihre Philosophen und Mathematiker…mit jedem Spruch wurde die deutsche Lebensart verunglimpft, durch den Dreck gezogen, mit Füßen nachgetreten. Ich wußte nicht ob ich über das Land meines Vaters wütend sein sollte, verbittert oder traurig. Wenn jemand das Niveau einer deutschen Zeitschrift kritisiert, der schaue sich vor seiner eigenen Tür um und zähle dort die Deutschland-Gegner. Und dann möge er in die Hand beißen, die ihn füttert! Griechenland ist immer noch nicht erwachsen geworden, beruft sich auf antike Werte, die so nicht mehr existieren, will alle Freiheiten und Autonimie und schafft es nicht selber seine schmutzige Wäsche zu waschen – und das nicht nur die letzten 2 Jahre sondern nschon die letzten 40 Jahre! Wo bleibt der Stolz eines einst stolzen Landes! Traurig!

  8. deutsch-griechische Freundschaft sagt:

    Hallo Halbgriechin,
    das „Land Ihres Vaters“ ist offensichtlich nicht Ihr „Vaterland“, das wird ziemlich deutlich aus Ihrem Kommentar.
    Haben Sie sich damals, als die Negativpropaganda gegen Griechenland ihren Lauf nahm eigentlich auch beschwert ?

    Die Griechen haben immer an die deutsch-griechische Freundschaft geglaubt, deshalb waren sie auch besonders enttäuscht dass gerade aus D wie aus keinem anderen Land so viel Spott und unakzeptablen Kommentaren auf unterstem Niveau über GR ausgeschüttet wurde. Deutschland Gegner waren und sind die Griechen nie gewesen.
    Eine fütternde Hand sehe ich nicht. Ich sehe lediglich, dass Darlehen zu überhöhten Zinsen gewährt wurden, damit die Waffen- und sonstigen Importe, u.a. aus D, bezahlt werden können. Nicht mehr, nicht weniger.

  9. plastogram sagt:

    @halbgriechin

    da ich nicht will das meine post an dich von der redaktion zensiert wird werde ich mich so fassen das selbst du verstehst.
    1. sollten so hybride gestalten wie du keine kommentare zu dingen verfassen von denen sie wenig verstehen.
    2. warum den unter die gürtellinie check mal deine geschichte zwischen 33-45 und dann komm und erzähl mir noch mal was von verleumdung.
    3. die gelehrten die du ansprichst leben in uns weiter genau so wie deine vorfahren.
    4. wenn ich dein vater wäre hätte ich schon längst mit dir kontakt gebrochen du kannst mit deiner einstellung zweiifelslos
    5. geh jetzt deine wäsche waschen den du kommst mir durch und durch schmutzig vor
    und noch eins hinterher-ha , beschäftige dich lieber um deine innerdeutschen probleme lass uns komplett in ruhe komme nicht nach griechenland ,ändere deinen namen in hüddler und geh aus unserem leben denn sowas wie dich haben wir gefressen.

  10. joblack sagt:

    Meine Meinung:

    Jetzt müssen wir nicht nur die „Betrügergriechen“ durchfüttern sondern auch die „Klepto-Iren“. Am besten wir steigen bald aus dem Euro aus dann können die Griechen und Iren selber schauen wie sie da wieder raus kommen ohne deutsche Steuergelder zu verschwenden.

  11. tzottie sagt:

    ICH GLAUBE DASS DEUTSCHLAND UNS VIEL GELD WEITERGEBEN MUSS. NICHT NUR ALS HILFE FUR DIE KRISE, ABER AUCH 200 BILLIONEN EURO NOCH FUR DIE VERBRECHEN AUS DER ZWEITEN WELTKRIEG. DIE DEUTSCHEN WERDEN BEZAHLEN UND BEZAHLEN….

  12. Kein Geld für Betrüger sagt:

    Warum müsen wir Staaten unterstützen, die betrügen?
    Einfach aus der EU aussperren und fertig. Warum dürfen Staaten, die betrügen nicht bestraft werden?

    Kauft weiter Waffen liebe Griechen, das hilft.

  13. Barbara Eurofeind sagt:

    Also ich kann es ja gar nicht glauben was ich da so lese.Ist der Deutsche nun sauer , weil er sein ach so gutes Geld an die Griechen geben soll.Wisst Ihr eigentlich wo sonst so Eure Steuergelder hingehen oder macht das nun mal gerade zu viel Arbeit darüber nach zu denken.Ich verstehe es nicht steckt Neid dahinter, weil Ihr nicht so lebt und feiern könnt wie die Griechen oder ist es mal einfach wieder der Herdentrieb der die Schafe alle aufschreien lässt und eben wie in der Herde alle das gleiche. Brave Schafe , der Staat wird es Euch danken. Passt bloß auf , dass Ihr nicht Eure Herde verliert sonst müsstet Ihr Euch eventuell noch eigene Gedanken machen und das könnte echt schwierig werden.

  14. efgaristo sagt:

    Liebe Leute
    „Die Deutschen“? „die Griechen“?
    Was ist denn das für ein diffuser Mix von Nationalstaatengebrabbel,schauriger Welt-und Realitätsfremdheit den ich in diesem Blog lese.

    Ich wollte ja gar nichts sagen und diesen blog einfach überspringen.. aber bei dieser Art der Diskussion ala
    Schulhof 1. Klasse. muss ich doch wirklich sagen:
    SETZEN SECHS!!!

    • Abraam Kosmidis sagt:

      Bei unserem Blog können alle frei ihre Meinung äußern, soweit nicht gegen Gesetze verstoßen wird. Die hier vertretenen Ansichten stellen deshalb nicht automatisch auch die Meinung des Blogbetreibers dar.
      Vielleicht können Sie ja auch Ihre Meinung zum Blogthema mitteilen.

  15. nicht griechin sagt:

    @efgaristo
    ich muss Ihnen zustimmen.
    Von Politik habe ich so gut wie keine Ahnung, da ja alle ihren Mist erzählen, so wie sie es brauchen, ob hier oder in Deutschland oder sonst wo.
    Ich bin Deutsche und lebe seit 20 Jahren in Griechenland. Die Sache hier in Griechenland macht mich eben so sauer, aber bedenkt doch, Ihr lieben Schreiber hier im Blog, es sind ja die Politiker und die Reichen, die dies so weit gebracht haben, und nicht die Bevölkerung, die hier für 800,– Euro im Monat arbeitet, und davon werden Miete, Strom usw. bezahlt.
    Wenn Du Pech hast, dann hast Du eine Anstellung, wo man Monate wartet, bis man sein Gehalt bekommt, gerade jetzt in dieser Zeit (eigene Erfahrung).
    Der Fehler der griechischen Bevölkerung war, dass sie ständig die Selben gewählt hat (Vetternwirtschaft).

    @tzottie
    Du weißt anscheinend nicht, dass Deutschland das schon bezahlt hat, das haben wiederum Politiker usw. in ihre eigenen Taschen geschoben.

  16. Deggenhardt sagt:

    Deutschland hat sich historisch betrachtet ganz klar um die Reparationen gedrückt. Von den ursprünglich nach dem 2. Weltkrieg festgelegten Wiedergutmachungen (umgerechnet grob 80 Milliarden Euro) hat Deutschland nur minimale Zahlungen (ca.2 Milliarden) geleistet. Grund dafür war, das die USA und England mit Hilfe des Marshallplans ein starkes Westdeutschland als Puffer gegen die Sowjetunion im Kalten Krieg installiert haben und Reparationen somit gegen ihr Interesse gewesen wären. Nach der Wiedervereinigung wären die ausstehenden Zahlungen eigentlich nach den gültigen Verträgen (Londoner Abkommen) für Deutschland fällig gewesen – darum hat man sich aber mit einem kleinen Trick gedrückt: Man nannte die 2plus4 Verträge einfach nicht „Friedensverträge“. Somit waren aus Sicht der BRD die Reparationen (die bei Abschluss eines Friedensvertrages fällig gewesen wären) aus dem Wege geschafft. (Tipp: Wikipedia: 2plus4Verräge) Griechenland hat bereits 1990 protestiert – hat aber der Wiedervereinigung trotzdem zugestimmt – und dafür sollten wir dankbar sein. Insofern finde ich den in Deutschland aufkommenden Hass gegen das bankrotte Griechenland äußerst befremdend – wenn man bedenkt, dass Deutschland 10 Prozent der griechischen Bevölkerung im 2. Weltkrieg ermordete und sich bis heute um seine Verantwortung drückt. Insofern schäme ich mich als Deutscher für die unwürdige Berichteerstattung über Griechenland in den Deutschen Medien. Kritik an der griechischen Politik ist mehr als angebracht – aber Verunglimpfungen wie die „PIGS“ usw. bauen nur irrationale Feindbilder auf.

  17. […] (Ausgabe 08/10)  erschienen Artikel über Griechenland mit dem Titel “Betrüger in der Euro-Familie” nebst der auf der Titelseite dieser Ausgabe abgebildeten Aphrodite von Milos mit einem […]

  18. Mona Civis sagt:

    Nein, so geht das nicht weiter! Noch wichtiger als die Einheit Europas ist die Rechtsstaatlichkeit Europas. Diese zu opfern ist es nicht wert. Europa bzw. der Euroraum kann keine Gemeinschaft von Kreditbetrügern sein. Wer Kredit nimmt und ihn von vornherein nicht zurückbezahlen kann oder will ist nach dem Strafgesetzbuch ein Kreditbetrüger. Für Staaten und deren Verantwortlichen in der EU kann da nichts anderes gelten.
    In den Euro gemogelt und laufend Verträge gebrochen ( u.a. zum Beispiel dieser Vertrag: http://tinyurl.com/paqft8l) nein so kann das nicht weitergehen. Kein neuer „Deal“, es gab schon zwei „Schuldenschnitt“. Kleinanleger wurden ungefragt und unbeteiligt enteignet, obwohl der Schnitt als freiwillig und nur für institutionelle Anleger von der Kanzlerin und €-Politikern angekündigt war. Die Griechen haben vollzogen was verlangt wurde damit die Milliarden weiter fliessen. Damit muss jetzt Schluss sein. Diese €-Gemeinschaft mit der Bad-Bank EZB ist mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar. Die beteiligten Staaten haften den Gläubigern. Ändert sich nichts und Griechenland bleibt im Euro, dann ist der DEEXIT unausweichlich.

    Deutsche Sparer, die für ihre Altersvorsorge oder die Ausbildung der Kinder gespart haben, werden direkt oder schleichend enteignet. Reiche Griechen zahlen keine angemessenen Steuern und investierten unversteuerte Milliarden auch aus zweifelhaften Quellen im Ausland. Der deutsche Sparer und Steuerzahler soll das dann wieder ausgleichen was dem griechischen Staat fehlt?!
    Was den einfachen Griechen geschieht ist bedauerlich, aber die Griechen sind für den Zustand selbst verantwortlich. Sie wählen ihre Regierung immer noch selbst. Durchmogeln auf Dauer geht nicht. Griechenland muss einen Weg finden und seine Schulden begleichen. Hilfe zur Selbsthilfe ja, aber Schuldenfreisprechungen a‘ la „Schuldenschnitte“ sind rechtwidrig und innerhalb der EU und der Eurostaaten niemals akzeptabel.

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