Weblog KPAG Kosmidis & Partner – die deutschsprachige Anwaltskanzlei in Griechenland

Griechenland Debatte–Der eigentliche Angriff gilt dem Euro

Es wird immer deutlicher, dass Griechenland nur der Anfang eines breit angelegten Angriffs auf den Euro durch Hedge Fonds zu sein scheint.

Schon seit ca. einem Jahr kursierten in den USA Gerüchte, dass bald ein „schwarzes Schaf“ aus der Euro Familie „geschlagen“ werde. Durch den Reformstau und die schlechte Haushaltslage geschwächt, bot sich Griechenland quasi als „Türöffner und schwarzes Schaf“ für diesen geplanten Angriff auf den Euro an.

Anstatt dies zu thematisieren, scheinen sich einige Blätter nur auf das finanziell bereits am Boden liegende Griechenland zu konzentrieren und heizen damit die Stimmung weiter auf.

Man kann es sich kaum erklären, weshalb mit einem solchen Verhalten diesen Kreisen genau in die Karten gespielt und vom eigentlichen Thema abgelenkt wird. In anderen Beiträgen wurde auf die zum großen Teil hausgemachten Gründe für die Probleme in Griechenland hingewiesen. Doch Griechenland trägt gerade einmal  2,6% (entspricht ungefähr der Wirtschaftskraft von Niedersachen und Bremen) zum gesamten Bruttosozialprodukt der Europäischen Union bei. Wer möchte also allen Ernstes glauben, dass Griechenland alleine den Euro und die Eurozone in eine ernsthafte Krise stürzen könnte ? Das eigentliche Problem liegt doch darin, dass die kleineren EU-Staaten aufgrund ihrer fehlenden Wirtschaftskraft grundsätzlich viel leichter zum Spielball der Spekulanten werden können, als größere und wirtschaftlich stärkere EU Staaten. Das mag wohl auch der Grund dafür sein, weshalb Griechenland, als eines der derzeit schwächsten Mitglieder der Euro-Zone, von den Spekulanten als Einstieg in die eigentliche Euro-Attacke ausgewählt wurde. Folgen sollen dann offenbar weitere EU-Staaten. Denn nach Griechenland könnten dann Spanien und Italien usw. in den Fokus der Spekulanten rücken.

Dabei verwundert es zunächst, dass die EU diesem Vorhaben gegenüber scheinbar nur sehr zögerlich auftritt und bislang kaum vorbeugende Mechanismen und Abwehrpläne gegen solche Angriffe entwickelt hat. Denn anders lässt es sich nicht erklären, weshalb diesem Treiben kein Ende gesetzt wird. Allein eine Erklärung, dass man Griechenland dann helfen werde, wenn dies nötig sein sollte, wird nicht ausreichen. Vielmehr müssen künftig gemeinsame Sicherheitsmechanismen entwickelt werden, damit nicht über  geschwächte bzw. kleinere Staaten Einfluss auf die Stärke des Euro genommen werden kann.

Da passt die Nachricht über ein Treffen namhafter Vermögensverwalter Anfang Februar in Manhatten zwecks Gedankenaustausches über die europäische Währung perfekt ins Bild.  Laut Wall Street Journal äußerte sich die Runde extrem pessimistisch zum Euro, und war sich angeblich darin einig, dass früher oder später die europäische Währung auf Parität zum Dollar rutschen werde. Dass dies der Fall sein könnte, spiegelt die Entwicklung des Euro-Dollar Verhältnisses wieder, welches seit Beginn der Krise von ca. 1,52 Dollar auf 1,35 Dollar gefallen ist.  Zwar liege kein Nachweis über konkrete Absprachen vor, doch es wird eine koordinierte Attacke gegen den Euro vermutet.

„Die Spekulanten sind sich dabei einig, dass die aktuelle Situation eine einzigartige Trading-Chance biete, die sich vielleicht nur einmal im ganzen Berufsleben ergibt, nämlich eine Gelegenheit, eine Menge Geld zu machen“, zitiert das Wall Street Journal  Hans Hufschmid, ehemals Top-Manager beim Investmenthaus Salomon Brothers. Genau in der Woche des Treffens sei die Anzahl von Short-Kontrakten auf den Euro an der Chicago Mercantile Exchange (CME) auf den höchsten Wert seit Einführung der Gemeinschaftswährung geklettert, zitiert die Zeitung die Währungsstrategen von Morgan Stanley.

Dass die Griechenland-Krise indes für den eigentlichen Angriff auf den Euro nur den Einstieg darstellen dürfte, könnte sich u.a. daraus ergeben, dass nach dem Wall Street Journal schon Ende vorigen Jahres Hedge Fonds in großem Stil Credit Default Swaps (CDS – sind eine Art von  Kreditderivaten zum Handeln mit Ausfallrisiken von Krediten, Anleihen und Schuldnernamen) gekauft haben sollen, mit denen sich der Wertverfall von Staatsanleihen aus Portugal, Italien, Griechenland und Spanien absichern lässt. Daraus könnte zu schließen sein, dass bereits frühzeitig der jetzige Angriff auf die Stärke des Euro geplant wurde. Auch passt in dieses Bild die Herabstufung der Bonität-Ratings von Griechenland und damit die Erhöhung des angeblichen Ausfallrisikos griechischer Staatsanleihen.

Die Europäer benötigen mehr Europa und einen starken Euro mehr denn je. Europa wird in absehbarer Zeit an den Scheideweg gelangen und früher oder später „Flagge“ bekennen müssen. Meinen wir es also ernst mit der europäischen Zukunft oder nicht ? Wollen wir nur eine einfache Wirtschaftsunion zur Bedienung rein wirtschaftlicher Interessen darstellen, oder soll ein neuer, moderner europäischer Staatstyp mit nationaler und regionaler Eigenständigkeit entstehen, welcher eine gesamteuropäische Identität erlangt und für den Wettbewerb der kommenden Jahrzehnte gerüstet ist ? Ich meine, dass es zu einem solchen neuen europäischen Staatstyp für die Europäer keine Alternative gibt.

Hierzu müssen die europäischen Nationalstaaten aber schneller zusammenwachsen und enger zusammenrücken. Eine gemeinsame Verfassung gehört da ebenso dazu, wie eine gemeinsame Verteidigungsstrategie, ein einheitliches Rechtssystem und vieles mehr.

Solange aber kein klares Bekenntnis zu einem solchen vereinten Europa erfolgt, wird die Schwäche Europas als lose Interessengemeinschaft und der Euro als die Währung eines reinen Finanzverbunds von selbständig wirtschaftenden Staaten stets Gegenstand von finanziellen und politischen Angriffen Dritter bleiben.


7 Antworten zu “Griechenland Debatte–Der eigentliche Angriff gilt dem Euro”

  1. Johannes Igel sagt:

    Ich muss mich bei dem Autor bedanken. Besser kann man die aktuelle Situation nicht analysieren.
    Schade nur, dass wir solch eine Niete als Finanzminister haben.

  2. sawas tsingelidis sagt:

    lieber herr igel
    ein einzelner minister kann allein nicht viel bewirken

  3. lüdiger sagt:

    bin auch der meinung, dass ein einzelner minister allein nicht viel bewirken kann. eine neite ist er aber auf jeden fall.

  4. HJM sagt:

    Ach, lieber Herr Kosmidis, warum nur erzählen Sie immer wieder dasselbe Märchen? Glauben Sie denn wirklich selbst daran? Ich mag mir das nicht vorstellen. „Gerüchte aus den USA“?!
    Und darauf bauen Sie Ihre Thesen auf? Und verbrämen selbige schamhaft mit „hausgemachten Problemen“? Letzteres klingt so niedlich … Ihre Vision ist wunderbar. Ich würde sie gern teilen, schon deshalb, weil ich diesem armen, geplagten Land eine bessere Zukunft wünsche. Aber wer würde denn mein Teilhaber sein? Doch nicht 98% des griechischen Bevölkerung. Sondern 20 (oder wieviel?) Familien, Namen muß ich wohl nicht nennen, die sich wieder einmal zuerst bedienen würden. Wie wollen Sie denn dieses Dilemma jemals lösen?

  5. HJM sagt:

    Lieber Herr Kosmidis, bis dato null Reaktion. Kann ich ja irgendwo und irgendwie verstehen, weil ich versuche, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen. Diese Wunde heißt ab Mailand/Milan südlich KORRUPTION. Gilt für alle. Leider. Große und kleine Tiere. Nur daß die „großen Tiere“ auch den größeren oder sogar großen Schaden anrichten können. Justiz, die dies zähmen könnte, bitteschön, WO denn?
    Es ist meine feste Überzeugung, daß dies von AUSSEN nicht zu ändern ist. Nur von INNNEN. Da hilft weder EU noch Euro.
    Insofern muss ich die Position, die Sie in vielen Beiträgen immer wieder vertreten, entschieden kritisieren: die EU kann vielleicht, vielleicht Strukturen ANBIETEN, das ist angesichts der nationalen Empfindlichkeiten schon schwer genug, der Erfolg eines solchen Angebots aber hängt ab von dem, was die Menschen (in Griechenland) denken und fühlen. Geld allein („Aufbauhilfe“) wird überhaupt nichts bringen.

  6. HJM sagt:

    Lieber Herr Kosmidis, bis dato null Reaktion. Kann ich ja irgendwo und irgendwie verstehen, weil ich versuche, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen. Diese Wunde heißt ab Mailand/Milano südlich KORRUPTION. Gilt für alle. Leider. Große und kleine Tiere. Nur daß die „großen Tiere“ auch den größeren oder sogar großen Schaden anrichten können. Justiz, die dies zähmen könnte, bitteschön, WO denn?
    Es ist meine feste Überzeugung, daß dies von AUSSEN nicht zu ändern ist. Nur von INNNEN. Da hilft weder EU noch Euro.
    Insofern muss ich die Position, die Sie in vielen Beiträgen immer wieder vertreten, entschieden kritisieren: die EU kann vielleicht, vielleicht Strukturen ANBIETEN, das ist angesichts der nationalen Empfindlichkeiten schon schwer genug, der Erfolg eines solchen Angebots aber hängt ab von dem, was die Menschen (in Griechenland) denken und fühlen. Geld allein („Aufbauhilfe“) wird überhaupt nichts bringen.

    • Abraam Kosmidis sagt:

      Lieber Herr Moeller, dies liegt daran, dass eigentlich schon fast alles zum Thema gesagt worden ist. Ich habe stets klargestellt, dass die Misstände und strukturellen Probleme erstrangig selbstverursacht sind und natürlich erst durch das griechische Volk selbst erkannt, eingestanden und geändert werden müssen. Die Finanzkrise wurde allerdings nicht von den Griechen verursacht. In Verbindung mit den strukturellen Problemen hat sie jedoch für eine schnelle Verschärfung der Probleme gesorgt. Dies alles ist jedoch getrennt von dem falschen Krisenmanagement der EU zu sehen. Wenn man dem Land wirklich helfen wollte, dann hätte man keinesfalls Sparmaßnahmen allein verschreiben dürfen, das kann man bereits mit geringen Kenntnissen und ein wenig Verständnis für ökonmische Zusammenhänge leicht verstehen. Darüber hinaus teile ich Ihre Ansicht, dass alle südlichen Länder ab Milano korrupt sein sollen nun ganz und garnicht. Diese Behauptung halte ich für gewagt. Die Korruption ist allgegenwärtig. Die größten Korruptionsskandale in Griechenland der letzten Jahre fanden unter Beteiligung deutscher Unternehmen statt. ich sage nur Siemens und U-Boot-Affäre….. und einige weitere (siehe Itabloid.gr)
      Also bitte nicht so einseitig.

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