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Grieche wirbt für Griechenland

Der CDU-Kreisparteitag in Hemmingen beschäftigte sich mit der Euro-Krise sowie speziell auch der Situation in Griechenland.

Keine besonderen Vorkommnisse auf dem 62. CDU-Kreisparteitag in Hemmingen: Selbst die sonst üblichen Spitzen Richtung SPD und Grüne flogen nur vereinzelt. Die CDU besinnt sich lieber auf ihre inhaltliche und strukturelle Neuordnung. Im Fokus stand diesmal ein Thema mit globalen Auswirkungen: die EU-Staatsschuldenkrise.

Die mit dem Titel „Europa und Griechenland – ein Fass ohne Boden?“ überschriebene Diskussionsrunde befasste sich mit dem EU-Krisenmanagement im Allgemeinen und die Situation der Griechen im Besonderen. Gefragt war die Meinung eines „Insiders“, Aris Kapsalis, Rechtsanwalt mit deutscher und griechischer Zulassung, war extra aus Thessaloniki angereist, um über Stimmungen, Meinungen und laufende Maßnahmen in Griechenland zu berichten.

Griechenland will und wird in der EU bleiben

Seiner Meinung nach berichten die deutschen Medien sehr einseitig und teilweise verzerrt über die Anstrengungen der Griechen, über die finanzielle Not beispielsweise vierköpfiger Familien, die mit durchschnittlich 400 Euro auskommen müssen. Kapsalis sah dringenden Erklärungsbedarf. „Griechenland will und wird in der EU bleiben.“ Neben den Sparmaßnahmen und dem strukturellen und gesellschaftlichen Wandel, sei es auch wichtig, Rahmenbedingungen für mehr Wachstum zu schaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. „Man muss der Wirtschaft zeigen, dass man wieder in Griechenland investieren kann„, sagte der Rechtsanwalt. Eine Chance sieht Kapsalis im Engagement auf dem Gebiet erneuerbarer Energien, denn „Sonne haben wir mehr als genug„.

Rainer Wieland, Vizepräsident des europäischen Parlaments und CDU-Kreisverbandsvorsitzender, pflichtete Aris Kapsalis bei, dass viel zu wenig über positive Nachrichten berichtet werde. Als Beispiel nannte er die hohe Zahl der Gläubiger, 97 Prozent, die sich am Schuldenschnitt beteiligen. Auf dem Podium äußerte sich der ehemalige baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus (MdL) skeptisch, dass die Sparmaßnahmen fünf oder zehn Jahre durchhaltbar sind. Als grundlegendes Problem definierte er das fehlende Vertrauen in die Währung und die fehlende Möglichkeit, sie unmittelbar beeinflussen zu können, wie es etwa die noch viel höher verschuldeten Japaner könnten. „Ich bin nicht sicher, ob in zehn oder zwanzig Jahren noch dieselben Länder im Euro sind„, sagte Stratthaus.