Weblog KPAG Kosmidis & Partner – die deutschsprachige Anwaltskanzlei in Griechenland

Letzte Preisrückgange und die sich abzeichnende Stabilisierung des griechischen Immobilienmarktes

Publiziert am 28.August.2017 von Abraam Kosmidis

Immobilie GriechenlandLetzte Preisrückgange und die sich abzeichnende Stabilisierung des griechischen Immobilienmarktes

Die beiden Hauptballungsgebiete Griechenlands, Athen und Thessaloniki, befinden sich derzeit im Hinblick auf die Preisentwicklung der Immobilien auf einem der hintersten Ränge des internationalen Immobilienmarktes. Dies liegt zum einen an der andauernden Immobilienkrise und zum anderen aber auch an der Erholung des internationalen Immobilienmarktes. Von insgesamt 150 Städten liegt die griechische Hauptstadt auf Platz 129, nachdem sich der jährliche Preisrückgang im ersten Quartal 2017 auf 1,4% belief. Die Rangordnung der zweitgrößten Stadt, Thessaloniki, fällt noch schlechter aus, mit einem Preisrückgang von 2,7% liegt Thessaloniki auf der 138.en Position. Auch auf Zypern sind in mehreren Städten hohe Preisrückgänge auf dem Immobilienmarkt zu verzeichnen: Platz 124 für Limassol mit einem Rückgang von 0,5%, Nikosia auf Platz 128 mit einem Minus von 1,1% und Larnaka auf Platz 130 mit einem Preisrückgang von 1,5%. Der entscheidende Unterschied zu Griechenland besteht jedoch darin, dass der zypriotische Immobilienmarkt einen deutlichen Aufschwung im Hinblick auf Käufe und eine konstante Erhöhung der Nachfrage verzeichnet, so dass in Kürze auch eine Besserung der Preisentwicklung zu erwarten ist. Auf dem griechischen Immobilienmarkt besteht hingegen weiterhin eine Kluft zwischen Angebot und Nachfrage, mit über 150.000 zum Verkauf stehenden Immobilien. Wie auch der letzten Zwischenbilanz der Währungspolitik der Griechischen Nationalbank zu entnehmen ist, sind die wesentlichen Merkmale des Marktes die geringe Nachfrage und das Überangebot an Immobilien, die hauptsächlich auf das ungünstige Wirtschaftsklima zurückzuführen sind. Erwähnenswert ist, dass der durchschnittliche Rückgang der Immobilienpreise in ganz Griechenland während des neunjährigen Krisenzeitraums zwischen 2008 bis 2017 ca. 42% erreicht hat, während dieser Wert in den beiden Großstädten noch höher liegt (44,1% in Athen und 46,3% in Thessaloniki). Gemäß den Kurzzeitindikatoren der Griechischen Nationalbank bezüglich des Immobilienmarkts, ist die Bauunternehmertätigkeit weiter stark eingeschränkt und weist einen diesjährigen Rückgang von 11,1% im Bereich der Bauinvestitionen auf. Insgesamt belief sich der Rückgang in 2016 auf 12,6%, im Vergleich zu 25,8% in 2015 und 53,3% in 2014. Dabei ist es bezeichnend, dass der letzte Anstieg zehn Jahren mit einer damaligen Zunahme des entsprechenden Indikators um 14,4% zurückliegt. Der Anteil der Bauwirtschaft am BIP ist damit von fast 10% in 2007 auf nur 0,7% in 2016 geschrumpft. Weiteren Daten der Griechischen Nationalbank zufolge sind 55,2% der branchenbezogenen Unternehmen (d.h. 39.000 von insgesamt 67.000 Unternehmen des Bausektors) erheblichen, finanziellen Schwierigkeiten ausgesetzt, zumal sie ihre Kredite infolge der Rezession nicht bedienen können. Nach dem letzten positiven Fortschrittsbericht der Eurogruppe und der Freigabe der Tranche aus dem 3. Hilfspaket ist ein weiterer Rückgang auf dem Immobiliensektor nicht zu erwarten, sondern es wird erwartet, dass die Immobilienpreise nach einer Phase der Stagnation wieder anziehen werden. Diese aktuelle Lage auf dem griechischen Immobilienmarkt eröffnet weiterhin große Gelegenheiten für den günstigen Erwerb von Immobilien in Griechenland, während auf der anderen Seite keine weiteren Preisrückgänge, sondern eher wieder anziehende Immobilienpreise erwarten lässt.


Ein neues Kapitel beginnt für Griechenland

Publiziert am 14.August.2017 von Abraam Kosmidis

Förderprogramm in GriechenlandEin neues Kapitel beginnt für Griechenland nach Abschluss der Bewertung und Zusage der Eurofinanzminister zur Auszahlung von 8,5 Mrd. Euro aus dem Hilfsprogramm

Internationale Unternehmensgruppen und Privatfonds haben bereits kurz nach Abschluss der Bewertung ein intensives Investitionsinteresse an Griechenland geäußert, zumal sie dadurch grünes Licht zur Umsetzung ihrer Vorhaben von den Institutionen bekommen haben. Der Athener Nachrichtenagentur zufolge, lässt sich dies auch durch mehrere Vertreter aus der Geschäftswelt bestätigen, die nun ein stabiles Umfeld zur Durchführung der Reformen von der Regierung verlangen. Bereits jetzt sind viele Investitionsfortschritte zu verzeichnen, wie unter anderem amerikanische Kapitalzuflüsse für das Versicherungsunternehmen Ethniki Asfalistiki, die Übernahme großer Hotelanlagen, die enormen Investitionsvorhaben der Großkonzerne Cosco und Fraport, sowie zahlreiche andere Anlagen in der Immobilienwirtschaft, im Bereich der Energie, der Nahrungsmittelindustrie, Technologie und Informatik sowie im Gesundheitswesen. In Zahlen ausgedrückt decken Energieprojekte und Infrastrukturprojekte (Straßen- und Eisenbahnbau) 88% des Gesamtbudgets der 69 großen, bereits angesetzten oder vorgeplanten Investitionen in Infrastrukturvorhaben. Die Bereiche des Tourismus und der Abfallwirtschaft decken die restlichen 12% der Investitionen ab, deren Gesamthöhe sich auf 21,4 Mrd. Euro beläuft. Die entsprechenden Daten ergeben sich aus neuesten Recherchen (März 2017). Der stellvertretende Minister für Wirtschaft und Entwicklung, Herr Pitsiorlas, erklärte, dass 2017 ein Wendejahr für Griechenland sein wird, zumal das Land eine Phase der Stabilität erreicht hat, mit einem nunmehr offenen Weg zur Verwertung des großen Investitionsinteresses seitens internationaler Unternehmensgruppen. Er betonte zudem, dass die geostrategische Lage Griechenlands und seine herausragende Rolle als Drehscheibe für den internationalen Warenverkehr. Die Präsidenten des Zentralverbands der griechischen Kammern und des Griechischen Bunds für Handel und Unternehmertum unterstreichen zugleich, dass die Umsetzung der Reformen weiterhin verfolgt werden muss, zumal es für alle Investoren wichtig ist, konkrete Maßnahmen zu sehen und Vertrauen in den griechischen Markt aufzubauen. Die jüngste Entscheidung der Eurogruppe, die Bewertung abzuschließen und die nächste Tranche auszuzahlen, gibt grünes Licht für die Märkte und zeigt, dass Griechenland bereit ist, seinen Verlauf in den Konsolidierungsprogrammen abzuschließen und seine Wirtschaftslage erheblich zu verbessern. Denn genau dieser Vertrauensmangel der Investoren war die letzten beiden Jahre ein ernstes Hemmnis für die Umsetzung ausländischer Investitionen im Land. Es wurde das jetzt gesendete positive Signal von den Institutionen erwarte. Der Ansicht des Präsidenten des griechischen Zentralverbands der Kammern nach, war ein großer Teil der öffentlichen Meinung davon überzeugt, dass die Rezession auf die unfähige Verhandlungsweise der griechischen Regierungen zurückzuführen war. Die Wahrheit sehe jedoch etwas anders aus: alle griechischen Regierungen haben die Programmbedingungen ausgehandelt, allerdings leider in die falsche Richtung. Nun kann endlich ein vollkommen neues Modell für die Funktion der griechischen Wirtschaft geschaffen werden, zumal die Grexit-Gefahr vollständig gebannt ist. Der neuartige Plan der Haushaltspolitik muss eine neue Mischung aus wenigeren Steuern und Beiträgen zu Lasten des Unternehmertums und der Beschäftigung beinhalten. Die Zunahme der öffentlichen Einnahmen kann durch Umsetzung geeigneter Maßnahmen zur Bekämpfung der erheblichen Steuerhinterziehung und der Erweiterung der Steuerbemessungsgrundlage erfolgen. Die Wiederherstellung des Vertrauens hinsichtlich der Förderung der für die griechische Wirtschaft notwendigen Strukturreformen ist ein weiterer, bedeutender Ansatzpunkt für ausländische Investoren. Regierungen, die Reformumsetzungen vermeiden oder diese durch zusätzliche finanzpolitische Maßnahmen ersetzen möchten schaffen kein Vertrauen. Verbale Äußerungen reichen zur Überzeugung ausländischer Investoren nicht mehr aus, es müssen nunmehr Taten und Pläne folgen. Die Entscheidung der letzten Euro-Gruppe war das erste Signal für Investoren, das endgültige Signal muss jedoch von Griechenland selbst erfolgen. Das Land bietet große Chancen für Investitionen in wichtigen Bereichen der Wirtschaft, wie Tourismus, Energie, Industrie, Nahrungsmittel, Bildung, Gesundheit u.v.m. Die nächste, große Herausforderung für die griechische Regierung ist der Zustrom ausländischer Investitionen, was sowohl im Treffen des griechischen Finanzministers mit Vertretern der Investmentgesellschaften in London festgeschrieben wird, als auch in der Begegnung des griechischen Wirtschaftsministers mit dem amerikanischen Handelsminister in Washington. Hierbei handelt es sich um eine äußerst politische Herausforderung, zumal es eines investitionsfreundlichen Umfelds bedarf. Die Qualität der Institutionen, die politische und wirtschaftliche Stabilität sind wesentliche Voraussetzungen für Investitionen; ausländische Investoren überprüfen vorwiegend die Leichtigkeit einer Unternehmensgründung, den Umfang der Bürokratie, die Haushaltseffizienz, die Stabilität des Besteuerungssystems, die Leistungsfähigkeit der Justiz, das Bestehen oder Nichtbestehen von Korruption, den Rechtsrahmen für Urheberrechte und weitere Faktoren, die den Verlauf der Investition für einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren beeinflussen können. Alle vorstehenden Faktoren sind natürlich auch für griechischen Investoren relevant, die im selben Ausmaß von der Regierung berücksichtigt werden müssen. Das Vertrauen am politischen System und die Schaffung von Investitionsanreizen müssen dringend wiederhergestellt werden, sodass aus- und inländische Investoren den wirtschaftlichen Aufschwung durch ihre Anlagen fördern können. Am Hafen von Piräus, einem der größten europäischen Häfen, gibt es z.B. nach der Großinvestition des Cosco-Konzerns zahlreiche Investitionschancen in Infrastruktur des Transitverkehrs, wie Logistikzentren, Exportparks usw., in Tourismustätigkeiten (Hotelbetriebe, Konferenzzentren u.v.m.), in handelsbezogene Infrastrukturen und hauptsächlich in der gewerblichen Nutzung von Gebäuden und leerstehenden Einrichtungen, sowie modernen Finanzierungsinstrumenten in der Umgebung von Piräus (öffentlich-private Partnerschaften, Anlageinstrumente, Sicherheitsleistungs-und Mikrofinanzierungsinstrumente usw.). Darüber hinaus bieten sich zahlreiche Investitionschancen im Bereich der Agrarindustrie und des mittlerweile blühenden Neu-Unternehmertums in Spitzenbereichen wie Biotechnologie, Pharmakunde, neue Werkstoffe und allgemein neue, zukunftsorientierte Technologien an. Der Schwerpunkt muss demnach also auf die politische Willensbildung und auf einen nationalen, strategischen Investitionsplan innerhalb eines realistischen Zeitrahmens gesetzt werden. Die griechische Regierung muss die europäische Strategie verfolgen und neue Investitionen im Rahmen der Globalisierung zu Gunsten der örtlichen Gemeinschaft anstreben, sodass die Dynamik der „Globalisierung“ in „Lokalisierung“ umgewandelt wird.
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