Weblog KPAG Kosmidis & Partner – die deutschsprachige Anwaltskanzlei in Griechenland

Griechenlands Strategie zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und des Strukturwandels der Wirtschaft bis 2021

Publiziert am 21.März.2017 von Abraam Kosmidis

Betriebsschließung GriechenlandDie griechische Regierung hat einen Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Lande und zur Einleitung eines Strukturwandels der Wirtschaft unter dem Begriff „Nationale Entwicklungsstrategie 2021“ vorgestellt.

Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Strukturwandel hin zu einem Wirtschaftsmodell mit hoher Wertschöpfung in der Produktion und bei der Erbringung von Dienstleistungen stellen das Hauptziel der Nationalen Entwicklungsstrategie in Griechenland bis 2021 dar.

Der Plan basiert auf verschiedenen Faktoren, wobei der Regierungsplan Ressourcen und Mittel für den Wiederaufbau des Landes vorsieht. Damit soll die jahrelange Krise durch einen nachhaltigen, wettbewerbsfähigen und sozial gerechten Wachstumsplan bewältigt werden. Die Faktoren sind folgende:

 

– Verringerung der Arbeitslosigkeit um 10% in einem dreijährigen Zeitraum, durch ein Beschäftigungsprogramm für Arbeitslose in Höhe von 1,5% des BIP.

– Vergabe von Kleinkrediten zur Entwicklung von sehr kleinen Unternehmen, spezielle Investitionskredite für innovative Unternehmen, wettbewerbsfähige Produkte zur Förderung der Exporte.

– Organisation und Finanzierung des Sozialstaates und der solidarischen Wirtschaft, Schaffung eines Kooperationsrahmens mit dem öffentlichen Sektor.

– Nutzung des staatlichen Grundbesitzes und der Konsortien des öffentlichen und privaten Sektors als Hebel für die Umsetzung von entwicklungsorientierter Arbeit.

Natürlich sind die bislang vorgeschlagenen Maßnahmen zur Bewältigung der Krise sehr zahlreich, dabei wurde aber das Hauptgewicht stets auf Einzelaspekte gelegt, wie z.B. die Umsetzung von Reformen unter besonderer Berücksichtigung der Privatisierungen, die Erhöhung der Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen, oder eine wachstumsabhängige Umschuldung, welche allerdings die Erzielung von Überschüssen voraussetzt.

Bei der Entwicklung der Nationalen Entwicklungsstrategie 2021 sollen diese bisherigen Maßnahmen jetzt unterstützender Natur sein und die drei strategischen Säulen fördern:

  1. Die Umstellung der Produktion zu einer wissensbasierten Wirtschaft, wodurch die Position des Landes in der nationalen Arbeitsteilung verbessert werden soll.
  2. Die einheitliche Planung, Koordinierung sowie die effiziente Umsetzung der Durchführung und Implementierung, insbesondere der Entwicklungspolitik. Faktoren, die bislang in den Bemühungen zur Entwicklung der griechischen Wirtschaft nicht vorhanden waren.
  3. Die Bemühungen, einen Weg aus der Krise zu finden in Kombination mit dem Versuch zur Verringerung von sozialen und regionalen Ungleichheiten und Verwerfungen, zumal sich der neue Strategieplan hauptsächlich auf die verwurzelte, exzessive Ungleichheit im Land fixiert, die unter anderem als Folge der Krise und durch die zur Bekämpfung dieser angewandten politischen Maßnahmen verstärkt worden ist und sich letztendlich als sozial ungerecht und äußerst entwicklungsfeindlich erwiesen hat.

Die Planer der „Nationalen Entwicklungsstrategie 2021“ hoffen damit, die erforderlichen Voraussetzungen zur Krisenbewältigung in Verbindung mit der Tatsache zu schaffen, dass im Land wesentliche Änderungen und notwendige Reformen eingeleitet worden sind, sodass nach einer längeren Investitionsflaute nun wieder aussichtsreiche Investitionschancen bestehen.

Darüber hinaus soll der entsprechende Strategieplan auch einen gesamten Kulturwandel bewirken, nachdem die Krise ein Umdenken und einen Mentalitätswandel in der griechischen Gesellschaft in Bezug auf politische Sichtweisen, Lebensstil und Konsum bewirkt hat. Dabei spiel das bessere Verständnis der Schwierigkeiten infolge der öffentlichen und privaten Verschuldung eine große Rolle und hat zu einer veränderten Haltung der Bürger, Unternehmen und Hochschulen geführt.

 

 



Ein Scheitern in der Griechenland Frage würde uns die Geschichte nie verzeihen

Publiziert am 15.März.2015 von Abraam Kosmidis

invest in GreeceÜberlegungen zum Zwiespalt zwischen den unhaltbaren Versprechungen der aktuellen griechischen Regierung aus dem Wahlkampf und der uneinsichtigen Haltung Deutschlands und der Institutionen zur gescheiterten Griechenland-Rettung.


  • Der Euro fällt – die Exporte in der EU steigen, nur profitiert Griechenland kaum davon.
  • Der Ölpreis, Löhne und Gehälter, die Produktionskosten sind auf einem Tiefstand – den griechischen Unternehmen fehlt die Liquidität für Expansion
  • Die EZB hat ein Billionen Ankaufsprogramm für europäische Staatsanleihen aufgelegt – Griechenland ist davon ausgeschlossen.
  • Die Spreads europäischer Anleihen sinken weiter, in Europa werden enorme Geldmassen in den Markt gepumpt – Griechenland kann ohne „Sparprogramm“ jedoch nicht an die Märkte um sich und der Wirtschaft  Liquidität zu verschaffen.

Mit anderen Worten: Die allgemeinen wirtschaftlichen Voraussetzungen in der EU für eine Verbesserung der griechischen Wirtschaft liegen theoretisch zwar vor, doch hindern die besonderen Rahmenbedingungen Griechenland an der Nutzung dieser Vorteile.  Die geopolitische Lage Griechenlands könnte noch ein Ass im Ärmel sein, das jedoch ziemlich ungeschickt genutzt wird.

Leider hat sich das Land für den Weg der Abenteuerpolitik, der Konfrontation und der Ungewissheit, just in einem Moment entschieden, als sich in der Wirtschaft Ende 2014 ein erstes -wenn auch geringes- Wachstumssignal abzuzeichnen schien. Ein Weg mit ungewissen politischen und wirtschaftlichen Folgen, erheblichen Folgekosten und insbesondere mit zweifelhaftem Ausgang. Selbst der „Supergau“ namens „Grexit“ ist mittlerweile nicht mehr tabu und wird in Westeuropa als Option diskutiert.

Dennoch müssen auch die Partner Griechenlands akzeptieren, dass die aktuelle griechische Regierung mit ca. 36,3 % den politischen Willen der Mehrheit des griechischen Volkes zum Ausdruck bringt, während die Politik der memorandums-konformen Politik der Nea Demokratia mit 27,8% nur auf dem 2. Platz landete und damit abgewählt wurde. Im Parlament hat die jetzige Regierung aufgrund einer Besonderheit des griechischen Wahlsystems, welches der stärksten Partei weitere 50 Sitze zuschlägt, damit die absolute Mehrheit nur um 2 Sitze verfehlt.

Der Zwiespalt ist nun groß. Noch größer ist der notwendige Spagat. Einerseits ist offensichtlich, dass es wie bisher nicht mehr weitergehen konnte. Die von der Troika bzw. den „Institutionen“ auferlegte Austeritäts-Politik hatte Land und Leute ohne Aussicht auf Besserung immer weiter in die Verelendung getrieben, weshalb  „etwas“ geschehen mußte. Über dieses „etwas“ und die Wahl der Mittel kann man allerdings unterschiedlicher Meinung sein. Eine Konfrontation mit den europäischen Partnern ist aus der Sicht vieler Griechen jedenfalls der falsche Weg. Das Land scheint nun in der Zwickmühle zwischen den Vorstellungen der Regierung und der Beharrlichkeit der europäischen Partner gefangen zu sein.

Während die heutige griechische Regierung mit populistischen Wahlversprechen und diffusen Auswegszenarien an die Macht kam, wurde dem Volk vermittelt, dass es doch noch einen anderen Ausweg ohne Sparpolitik und Troika gibt und dass nur die Staatsverschuldung das größte nationale Problem sei. Andererseits konnten die europäischen Partner bis heute nicht einsehen, dass ihre auf Bestrafung (wegen der angeblichen falschen Zahlen bei der Euroaufnahme) und nicht auf wirkliche Hilfe ausgerichtete Haltung, sowie die permanente Förderung eines Negativklimas gegenüber Griechenland und das ständige Bashing der Presse, falsch ist und zwangsläufig zur Machtübernahme von radikalen Kräften  führen musste.

Die Lage ist äußerst ernst, auch wenn sich ein großer Teil der Bevölkerung in Griechenland dessen noch nicht bewusst ist und weiterhin an die Versprechen aus dem Wahlkampf glauben möchte. Der griechische Ministerpräsident hat enorme Schwierigkeiten, die notwendigen Handlungen vorzunehmen, um das Land vor der drohenden Insolvenz zu retten. Fragliche Ansichten, Aussagen und Verhaltensweisen, sowie  unprofessionelles Verhalten lassen darüber hinaus die Lage Schritt für Schritt weiter eskalieren.

Die Großversprechen aus Oppositionszeiten können heute von der heutigen Regierungspartei nun schwer wieder rückgängig gemacht werden. Dazu müsste Herr Tsipras sein eigenes politisches Kapital aufs Spiel setzen. Andererseits fehlen schlicht die finanziellen Mittel, um die Versprechen umzusetzen, was aber von Anfang an absehbar war. Es stellt sich deshalb die Frage, ob der Ministerpräsident nun den politischen Preis für die Rückgängigmachung seiner Wahlversprechen bezahlen möchte, oder ob er einen Plan „B“ für die Beschaffung der Geldmittel hat, die für die Einlösung seiner Versprechen erforderlich sind. Regierungsseitig wurde jedenfalls verlautbart, dass es keinen Plan „B“ gäbe.

Andererseits haben Griechenlands Gläubiger in den letzten Jahren viele und teils verheerende Fehler gemacht, möchten diese aber nicht zugeben. Dazu verlieren sie jetzt auch noch ihre Geduld mit der „aufsässigen“ neuen griechischen Regierung.  Die Ansicht, dass Griechenland eventuell nicht zur Eurozone gehöre, ist ebenso ein „no go“ , wie etwaige Bemerkungen gegen den griechischen Finanzminister, die unter die Gürtellinie abzielen. Und auch der lapidare Verweis auf die „Pressefreiheit“ als Deckmantel für die seit Jahren anhaltenden unverantwortlichen Verhaltensweisen von Teilen der Presse wird nicht dem Anspruch gerecht, den man von politisch „erfahrenden“ europäischen Partnern erwarten darf.

Was wiederum die griechische politische „Elite“ anbetrifft, ist diese lediglich ihren Vorschriften aber nicht den wirklichen Umständen gewachsen. Nach den anfänglichen Lobreden auf die neue Regierung, haben sie sich für eine unkontrollierte Panikmache entschieden. Beides dürfte falsch sein.

Einen möglichen politischen Ausweg könnte eine Abkehr von radikalen Ansichten und Praktiken der Regierung, hin zu einer realpolitischen mitte-links Politik darstellen. Dazu müsste den Syriza Wählern jedoch zunächst vermittelt werden, dass die Versprechen aus dem Wahlkampf zum größten Teil nicht eingehalten werden können. Ferner müsste eine Abkehr von theoretischen und extremen ideologischen Ansichten erfolgen und Zugang zur Realpolitik gefunden werden, die der schwierigen politischen Lage des Landes gerecht wird.

Die Einsicht in die eigenen Fehler der Vergangenheit auf griechischer Seite und die Bereitschaft diese abzustellen, stellt dabei eine wesentliche Voraussetzung für den Beginn des so notwendigen neuen Denkens dar. Reformen auf nahezu allen Gebieten (Recht, Steuern, Bildungssystem usw.), Konsolidierung des Staatshaushaltes, Bekämpfung von Filz und Steuerhinterziehung, Wirtschaftsförderung und Schaffung von Arbeitsplätzen stellen dabei wesentliche Voraussetzungen dar, die auch ohne die Hilfe der europäischen Partner längst in Angriff hätten genommen und erledigt werden müssen. Die jetzige Regierung könnte für all diese Reformen stehen und diese glaubwürdig vermitteln, nachdem sie für die Politik der vergangenen drei Jahrzehnte keine Verantwortung trägt. Gleichzeitig müsste den europäischen Partnern in vernünftiger Weise vermittelt werden, dass eine Kehrtwendung in der europäischen Griechenlandpolitik zwingend notwendig ist.

Die Einsicht in die eigenen Fehler der Vergangenheit seitens der Partner und Gläubiger Griechenlands bedeutet zunächst das Eingeständnis, dass die bisherigen Rettungsmaßnahmen zu keiner Verbesserung sondern zu einer Verschlechterung der Situation Griechenlands geführt haben. Immer neue Schulden aufzunehmen, um alte abzahlen zu können, löst das Problem nicht, sondern verschleppt es nur. Ferner sollten die Partner zur Einsicht gelangen, dass die auferlegte rigide Sparpolitik / austerity gescheitert ist. Nur Überschüsse aus Staatseinnahmen, welche aus Realwachstum generiert werden, können einen effektiven Abbau des Schuldenbergs ermöglichen. Hierzu sind aber Investitionen in die griechische Wirtschaft und nicht deren Demontage wie bisher notwendig.

Momentan lässt der stetige Anstieg des Nationalpopulismus jedoch keinen Freiraum für vernünftiges Denken und überlegte Entscheidungen zu. Die Toleranz für Fehler wird dabei immer kleiner, und falls der sogenannte Zyklus des post-diktatorischen Ära (der sogenannten Metapolitevsi)  durch den Niedergang und die Abspaltung Griechenlands vom Westen, Europas und des Euro abgeschlossen werden sollte, wird es uns die Geschichte nie verzeihen.



Die tragische Realität

Publiziert am 12.Januar.2015 von Abraam Kosmidis

Europa GriechenlandDas Dilemma der bevorstehenden Parlamentswahl in Griechenland lässt die Bevölkerung zwischen Wut und Angst schwanken: Wut aufgrund der Wirtschaftspolitik der Regierungskoalition aus Konservativen (Nea Dimokratia) und Sozialisten (PASOK), und Angst vor der Wirtschaftspolitik der radikalen Linkspartei SYRIZA. Mittlerweile ist es offensichtlich, dass ein gut informierter Bürger anders als ein unzureichend Informierter wählt. Es ist in der Tat höchste Zeit, dass jemand die Verantwortung übernimmt und dem griechischen Volk die Wahrheit mitteilt, sodass tiefgreifende Veränderungen zur Normalisierung des Landes durchgeführt werden können.

Ein kürzlich erschienener Artikel des Professors an der Universität von Piräus, Herrn Theodoropoulos, enthält eine detaillierte Aufstellung der Fakten, welchen das griechische Volk ausgesetzt ist. Im Jahr 2008, d.h. ein Jahr vor dem Eintritt der Finanzkrise, belief sich die Gesamtanzahl der Beschäftigten in den produzierenden Branchen auf 3,74 Mil. Im Jahr 2013 fiel diese Zahl um 25,5 % auf 2,78 Mil. Der Sektor ist von wesentlicher Bedeutung, weil die dort beschäftigten Arbeitnehmer ihre Steuern und Abgaben ordnungsgemäß entrichten und somit zur Lohnzahlung der Staatsbeamten sowie zur Förderung der Rentenkassen maßgeblich beitragen. Innerhalb der fünfjährigen Rezession ist in der Anzahl der unproduktiven Konsumenten (Staatsbeamte und Rentner) hingegen prinzipiell keine Veränderung festgestellt worden. Die Anzahl der staatlichen Beamten ist zwar gesenkt worden, dafür nahm aber die Anzahl der Rentner deutlich zu.

Eine Fortsetzung dieser Verfahrensweise ist unbestreitbar ausweglos. Immer weniger produktive Arbeitnehmer haben die Kosten für Rentner und Staatsbeamte zu tragen. Da aber die Anzahl der unproduktiven Konsumenten konstant geblieben ist, hat sich die Kostenlast für jeden einzelnen produktiv Beschäftigten dementsprechend erhöht.

Die Zunahme der Staatsbeamten oder die Rentengewährung an Fünfzigjährige oder gar an jüngere Personen war definitiv keine verantwortungsvolle Vorgehensweise. In den Rezessionsjahren hat die Anzahl der pensionierten Staatsbeamten um 234.000 zugenommen, bei einem Durchschnittsalter von 56,7 Jahren.

Die Staatsverschuldung belief sich im Jahre 1999 auf 122 Mrd. Euro. Heute, und trotz des PSI, beträgt diese 322 Mrd. Euro. Während desselben fünfzehnjährigen Zeitraums finanzierte der Staat die Sozialversicherungen mit 200 Mrd. Euro. Die gesamte Verschuldungszunahme ist damit auf das Versicherungssystem zurückzuführen. Griechenlands früherer Wirtschaftsminister, Stefanos Manos, hatte einen innovativen Vorschlag für das Versicherungssystem vorgelegt: eine monatliche Garantierente in Höhe von 700 Euro mit 67 Jahren bei Abschaffung sämtlicher Rentenbeiträge und Zusatzrente mit individuellen Rentenverträgen. Die Abschaffung sämtlicher Rentenbeiträge würde eine enorme Schockwirkung des Wachstums hervorrufen.
Während den Wahlkampfzeiten hört man oft, dass die Lösung in der Steigerung der Beschäftigungsquote liegt, was im Prinzip nicht falsch ist; dafür werden jedoch Investitionen benötigt, oder eine Art Abschaffung der permanenten Beiträge. Investitionen benötigen wiederrum Geldmittel. Geld wird jedoch für Beiträge und Steuern ausgegeben, sodass die unproduktiven Konsumenten gefördert werden können. Somit bleiben keine Mittel für Investitionen übrig.
Beide Regierungen, sowohl PASOK als auch Nea Dimokratia haben sich in den fünf Jahren weder getraut, den aufgeblähten und unproduktiven Verwaltungsapparat anzutasten, noch mit dem Versicherungssystem in Konfrontation zu treten, sodass der produktive Bereich der Wirtschaft vernichtet worden ist. Es gibt bisher kein Anzeichen dafür, dass Nea Dimokratia nach einem Wahlsieg ihre Politik ändern wird. Die radikale Linkspartei SYRIZA verspricht wiederrum eine Förderung der unproduktiven Konsumenten, indem sie die Einstellung neuer Staatsbeamte fortsetzt, Gehälter und Renten erhöht und Vorruhestandsrenten sichert. Hieraus ergibt sich leider eine zwingende politische Logik: die Anzahl der unproduktiven Konsumenten überschreitet die Anzahl der produktiv Beschäftigten.

Der produktive Sektor sollte deshalb folgende Maßnahmen verlangen:

  1. Die unmittelbare Aufhebung sämtlicher, unnötiger Staatsausgaben.
  2. Die Abschaffung der unentgeltlichen Frührenten.
  3. Die Abschaffung sämtlicher Steuern zu Gunsten Dritter, welche Investitionen verhindern (die Steuern zu Gunsten Dritter begünstigen hauptsächlich die Rentenzahlungen der privilegierten Klassen).
  4. Die tiefgreifende Analyse des Versicherungssystems.

Darüber hinaus können auch weitere Maßnahmen von einer Regierung getroffen werden, die auf das wirtschaftliche Wachstum und die produktive Beschäftigung abzielen.
In der vorstehenden Argumentation ist der Schwerpunkt der Verhandlungen über die Höhe der Verschuldung nicht einbezogen worden, zumal diese und ihre Tragfähigkeit in Bezug auf die in der Aufstellung abgebildeten, tragischen Realität nebensächlich sind. Das Problem der Staatsverschuldung kann nur bewältigt werden, wenn ein neuer Weg eingeschlagen wird. Die Verhandlungen mit den Gläubigern, von denen hier immerzu die Rede ist, erfolgen lediglich zur Schonung der unproduktiven Konsumenten, oder anders ausgedrückt: der Kunden sämtlicher Parteien. Die Bestrebungen sowohl der Regierung als auch der Opposition sind diesbezüglich identisch.
Notwendig ist eine innere Auseinandersetzung der Bürger mit sich selbst, um die Realität zu akzeptieren und dementsprechend handeln zu können.

Entwicklung der Beschäftigtenzahl des Produktionssektors, der Zentralregierung und Pensionäre
(in Mil.)
Gesamt-
beschäftigung
Arbeitnehmer des Produktions- sektorsSelbstständigeGesamt-beschäftigte des Produk-tionssektorsZentralregierungPensionäreUnproduktive Konsumenten
20054.443,52.017,01.609,73.626,7826,82.503,83.330,6
20064.527,52.037,01.631,63.668,6858,82.526,83.384,6
20074.564,02.077,81.612,93.690,7873,32.568,23.441,5
20084.610,52.126,31.614,33.740,6869,92.601,03.470,9
20094.556,02.080,11.607,13.687,2868,82.638,43.507,2
20104.389,71.970,11.562,83.532,9856,02.649,43.505,2
20114.054,31.772,91.477,93.250,8813,52.686,03.499,5
20123.694,91.589,61.353,92.943,5751,42.700,03.451,4
20133.513,21.490,61.293,52.784,1723,12.757,83.480,9

 



Neue Einheitliche Immobilienbesitzsteuer (ENFIA): die neuen Steuerbescheide, Fristen und Rückstände

Publiziert am 24.September.2014 von Abraam Kosmidis

Griechischen SteuerbehördenImmobilienbesitzer in Griechenland können ab sofort ihre neuen Bescheide zur Einheitlichen Immobilienbesitzsteuer (ENFIA) über das elektronische System „TAXISnet“ abrufen. Die korrigierten Steuerbescheide betreffen ca. 1,2 Mil. Eigentümer von Grundstücken, die sich außerhalb des Systems der objektbezogenen Einheitswertbestimmung befinden.

Die Frist zur Entrichtung der ersten Rate läuft am 30. September ab und die letzte Rate kann bis zum 27. Februar 2015 entrichtet werden. Nach Mitteilung des Generalsekretariats für Öffentliche Einnahmen werden in den neuen Bescheiden sämtliche Korrekturen und Modifizierungen beinhaltet, die gemäß dem neugewählten Änderungsantrag vorgesehen werden.

Insbesondere werden folgende Kategorien berücksichtigt:

(a) Fälle von Grundstücken, die in Gebieten liegen, in denen das System der objektbezogenen Einheitswertbestimmung nicht gilt und deswegen der herabgesetzte Steuerwert zwischen der im Jahr 2013 festgesetzten Immobiliensteuer (FAP) und der ENFIA 2014 berücksichtigt wird.
(b) Befreiung der auf der Insel Kefalonia gelegenen Immobilien vom ENFIA.
(c) Befreiung von der Hauptsteuer für das Restgrundstück denkmalgeschützter Gebäude oder Kunstwerke.
(d) Senkung des Steuersatzes der Zusatzsteuer für nicht eigengenutzte Immobilien der juristischen Personen öffentlichen Rechts, die den Trägern der Zentralregierung nicht zugeordnet sind.

Lesen Sie den ganzen Artikel auf www.griechenland-immobilie.de



VIELVERSPRECHENDES TREFFEN ZWISCHEN MINISTERPRÄSIDENT SAMARAS UND BUNDESKANZLERIN MERKEL

Publiziert am 5.August.2014 von Abraam Kosmidis

Samaras MerkelBesonders zufrieden erschienen griechische Regierungskreise nach dem letzten Gespräch zwischen der Bundeskanzlerin und dem Ministerpräsidenten Samaras, welches äußerst positiv verlief. Die Bundeskanzlerin volles Verständnis für die Prioritäten und Zielsetzungen der Regierung gezeigt und Verhandlungen für September offen gelassen hat.

Regierungschef Samaras und der neue Finanzminister Gikas Chardouvelis betonten die Verbesserung der Lage der griechischen Wirtschaft und die von der Regierung eingeleiteten Reformen. Der griechische Ministerpräsident teilte zudem der Bundeskanzlerin seine Absicht mit, Steuerermäßigungen und Erleichterungen hinsichtlich der Tilgung von überfälligen Schulden zu beschließen. Darüber hinaus begrüßte die Bundeskanzlerin die Einhaltung des Haushaltsplans und deutete an, dass nach dem bevorstehenden Troika – Besuch im September die Verhandlungen sowohl über eine Steuersenkung als auch Schuldenregulierung beginnen können.

Ein weiteres Gesprächsthema war die Reaktion in Bezug auf die Privatisierung der „kleinen DEI“ (öffentliche Elektrizitätsversorgungsunternehmen). Dabei wurde angesprochen, dass im Herbst eine Zunahme der sozialen Reaktionen zu erwarten ist, falls keine Erleichterungsmaßnahmen vorgenommen werden. Frau Bundeskanzlerin Merkel äußerte zudem ihre Zufriedenheit hinsichtlich der positiven Entwicklung der griechischen Wirtschaft, begrüßte die Reformmaßnahmen der griechischen Regierung und lobte die Umwandlung des Landes in eine moderne Wirtschaft.

Im Rahmen der bereits laufenden „ersten Phase der politischen Verhandlungen“ finden auch die Reise nach Florenz und das bevorstehende Treffen des griechischen Ministerpräsidenten mit dem italienischen Regierungschef M. Renzi statt, welcher die EU-Partner von einer Lockerung der Sparmaßnahmen überzeugen will.

Zugleich äußerte ein hochrangiger Regierungsbeamter seine Zufriedenheit hinsichtlich der überraschenden Stellungnahme des künftigen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker in Bezug auf die Migrationspolitik der EU und den Schutz der europäischen Grenzen.



Rating Agentur Standard & Poor’s hebt Griechenlands Kreditwürdigkeit an. Die Bonitätnote wurde gleich um sechs Stufen von „selective default“ auf „B-“ angehoben

Publiziert am 19.Dezember.2012 von Abraam Kosmidis

Die Kreditwürdigkeit Griechenlands wurde gestern durch die Ratingagentur  Standard & Poor’s gleich um sechs Stufen von SD (selective default- teilweiser Zahlungsausfall) auf Stufe B- angehobenn, nachdem das Anleihe-Rückkaufprogramm des Landes erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Laut Stellungnahme der Agentur selbst, sei die Anhebung der Bewertung auf die   „feste Entschlossenheit“ der EU –Partner zurückzuführen Griechenland in der gemeinsamen Währungsunion zu halten. Aber auch die verbindliche Zusicherungen der griechischen Regierung finanzwirtschaftliche und strukturelle Reformen  trotz der politischen und wirtschaftlichen Gefahren umzusetzen  und die damit verbundenen Sparanstrengungen seien Anlass zu der vorgenommenen  Aufwertung.

Die Ratingagentur verwies auf den „starken“ Willen der Regierungen der Eurozone, Griechenland in der gemeinsamen Währungsunion zu halten.

S&P erhöhte das Rating konkret von „Selective Default“ auf „B- „. Der Ausblick wird als „stabil“ bewertet. Dies bedeutet , dass weitere Ab- oder Heraufstufungen für die nächste Zeit eher unwahrscheinlich sind.

Die neue S&P-Note gehört allerdings immer noch in die „Ramsch“- Klasse. Immerhin handelt es sich bei der Bewertung aber um die höchste Einstufung, welche Griechenland von S&P seit Juni 2011 erhalten hat.

Dies ist um so bemerkenswerter, als S&P erst kurz vor Beginn des Schuldenrückkaufverfahrens am 5. Dezember  die Bonität Griechenlands  auf „SD“, also selective default“ herabgestuft hatte, nachdem das Ereignis als teilweiser Zahlungsausfall bewertet wurde. Offenbar wird das Schuldenrückkaufprogramm bei S&P nach seiner erfolgreicher Durchführung nun nicht mehr als teilweiser Zahlungsausfall betrachtet. Anzumerken ist das Griechenland bereits  im Februar 2012 und während des PSI-Schuldenschnittverfahrens auf dieselbe Stufen herabgesetzt worden war.

Die Tatsache aber, dass der Rückkauf  einen Teil der Staatsanleihen betraf die noch im Umlauf waren, hebt  gemäß eines  Presseberichts der griechischen  Tageszeitung „to vima“  die Bewertung der in den nächsten Jahren auszuzahlenden  Schuldtitel an, da die Ratingagentur mitunter auch sämtliche anhängige Wertpapierausgaben inklusive der durch den griechischen Staat garantierten aufwertet.

Griechenland wird für den Rückkauf von Staatsanleihen  im Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro  einen Betrag von 11,3 Milliarden Euro ausgeben. Die Staatsanleihen sollen somit zu einem durchschnittlichen Preis von ca. 33,8 Prozent des  Nennwertes zurückgekauft werden.

(quelle : to vima)



Kritik und Selbstkritik – Gedanken zur Griechenland-Krise

Publiziert am 19.November.2012 von Abraam Kosmidis

Der Beitrag von Dimitris G. Tsagaris, CEO FAO ECONOMICS SA, und aus Funk und Fernsehen bekannter Wirtschaftsökonom beschäftigt sich mit den verschiedenen Aspekten der Griechenland-Krise.

Genau vor einem Jahr verbot der IWF die Auszahlung der sechsten Tranche der Finanzhilfe für Griechenland im Rahmen des ersten Mnimoniums, mit der Argumentation dass die Staatsverschuldung des Landes nicht nachhaltig war, s. meinen Artikel vom 24. Oktober 2011: „… Einerseits billigt der IWF die sechste Rate, andererseits bindet er sie satzungsmäßig, indem er sie durch die Aussage der Nichtnachhaltigkeit der Verschuldung im Prinzip blockiert und somit ihre Auszahlung als eine rein politische Entscheidung festsetzt …

Es war die bekannte Problematik und das Bedenken der Nichthaltigkeit der griechischen Staatsverschuldung, welche letztendlich zu einem neuen Hilfspaket im Rahmen des zweiten Mnimoniums und zu einer Auszahlung von 130 Milliarden geführt haben (das erste Hilfspaket von 110 Milliarden Euro, welches schließlich nur 70 Milliarden Euro betrug). Ich möchte daran erinnern, dass dieses zweite Hilfspaket im Grunde genommen „einige“ 130 Milliarden Euro enthielt, den mittlerweile bekannten Schuldenschnitt (PSI) in Höhe von 50 % sowie die Hebelwirkung des EFSF (welche wir immer noch erwarten). Wir sollten zudem darauf verweisen, dass Spanien und Italien noch auf die Entscheidungen des Eurogroups vom Juni 2012 über die Rekapitalisierung der spanischen Banken und den Anleihekauf am Sekundärmarkt für Italien warten.

Während sich die griechische Seite (das sogenannte Dreiparteien – System der Regierung) bereits in den für uns bekannten „türkischbalkanischen Diskussionen“ verwickelt hat, im Hinblick auf die Auszahlung der Tranche von 31,5 Milliarden Euro für Maßnahmen, die eigentlich schon im vergangenen Jahr vereinbart und abgestimmt wurden, zeigt sich erneut in der internationalen Presse ein Bedenken über die Nachhaltigkeit der griechischen Staatsverschuldung. Die Frage zu diesem Thema, welches selbstverständlich real ist und weiterhin besteht, wäre wieso niemand die „Rezeptverschreiber“ auffordert? Diejenigen, die Griechenland zum Mittelpunkt der humanitären Hilfe umwandelt haben (George Soros).

Da also ein Grexit unvermeidlich ist, falls sich die Uneinigkeit des IMF und der Euro Zone (WSJ vom 13/10/2012) fortsetzen wird, und die Verbesserung der griechischen Verschuldung als ein illusorisches Ziel betrachtet wird (WSJ vom 1/11/12), im Hinblick auf der epischen Rezession, welcher derzeit unser Land gegenübersteht (nach eigenen Aussagen der griechischen Regierung, wird sich die Verschuldung im Jahre 2013 auf 346 Milliarden Euro belaufen, d.h. 189%), müsste die Eurozone einen Scheidungsmechanismus „erfinden“ … (nach der Logik des Herrn Schäuble, dass „Griechenland die Probleme verursacht hat, Griechenland muss sie auch lösen„- seine Aussagen im IMF in Tokyo, am 10/12). Es ist sicher, dass Griechenland „… den schwarzen Winter von 1941 …“ erlebt (Al. Tsipras), oder noch besser, „den unendlichen Verlust der Nichteinzahlung der Rate, wir werden sterben, usw.“ (I. Stournaras).

Griechenland befindet sich in einer tiefen Rezession, ähnliche wie diese vom Jahre 1930, eine sogenannte „existentielle“ Rezession, bedauerlicherweise in einem weltweiten finanziellen Umfeld, welches ebenfalls zu einer Rezession neigt (Stanley Fischer), während sich Länder wie die Schweiz mit Hilfe ihrer Streitkräfte darauf vorbereiten, ihre Grenzen zu schließen (Bericht des CNBC vom 15/10/12), falls sich die Eurozone auflösen sollte.

Somit können wir von einer „Hochzeit ohne Liebe“ reden, wie es wirklich sehr treffend bezeichnet worden ist. Die einzige Lösung daher ist die „Rechnung“ an die Deutschen zu schicken! (CNBC, 18/10/12). Da also Frau Merkel die Meinung vertritt, dass ein Land mit Verschuldung von über 80-90 % seine Unabhängigkeit verliert und nach Herrn Dragi „einige Regierungen einsehen müssen, dass sie schon lange ihre Staatssouverenität verloren haben …„, wird als offensichtliche Lösung die Zahlung und somit der „Ladenkauf“ von den Deutschen in Betracht gezogen, oder auch unsere Scheidungseinreichung (da ja die Vision – das Ziel unseres Erfolgs eine Schuldenlast von 120% im Jahre 2020 voraussieht).

Eins ist sicher! Die Verschuldung kann niemals mit denselben Mitteln, über welche Griechenland heute verfügt, abbezahlt werden (es sei denn das Erdöl entdeckt wird…!). Der Laden benötigt eine Erhöhung des Aktienkapitals und jemand muss die Hand tief in die Tasche greifen … . Die Austrocknung, die Verarmung und der Niedergang können nicht zu einem Ausweg führen. Die Inexistenz einer Aussicht gleicht der absoluten Dunkelheit! Die hinziehenden, kriegerischen Botschaften, die permanenten Drohungen von Zahlungsaussetzungen.

Jemand muss ihnen ausrichten, dass sie Verantwortungen tragen! Der Deal funktioniert nicht. Die Briten sind bereits dabei, ihr Verhältnis zu Europa zu redefinieren (Europabefürworter, Euroskeptiker), Herr Hollande ist vom Vordergrund verschwunden, während die „problematischen“ Herren Monti und Rajoy sich lieber damit befassen, uns Bemerkungen anzubringen, anstatt ihren „eigenen Buckel“ zu sehen. Weder ein Bankrott, noch ein Ausgang, wie Herr Schäuble aussagt. Was bleibt also übrig? Bloß Gefangene, bedingungslos und ohne Aussicht, bis auf Weiteres?

Gehört ein Land mit Knappheit an Medikamenten, mit Prostitution ihrer eigenen Frauen im Ausland zu Europa? Mit Griechen, die es sich nicht leisten können, ihre engen Verstorbenen bestatten zu können? Weist das Zitat von Herrn A. Samaras „jeder von uns erlebt jeden Tag sein persönliches Drama“ auf ein europäisches Land? Wo sind die Schuldigen? Was war letztendlich der Auslöser für das nachkriegerische Bild eines Landes, welches erst vor zehn Jahren an der Eurowährung beigetreten ist? War es die Unverantwortlichkeit der griechischen Politiker (Handelsblatt & Schäuble) oder die europäischen Konsumvorbilder der Griechen bzw. der griechischen Politiker?

Es gleicht der Situation, in der unsere Kinder eine Prüfung in der Universität nicht bestehen, da sie – unserer Meinung nach – nicht die ausreichende Grundlage schon von der Grundschule an hatten. Die Verantwortungen der Nea Demokratia für die finanzielle Entgleisung Griechenlands in den Jahren von 2004 bis 2009 sind maßgebend (ich kann auch die katastrophale Bestandsaufnahme nicht vergessen). Was kann man aber zur amateurhaften, inkohärenten und letztendlich katastrophalen Führung des Insolvenzverfahrens vom G. Papandreou sagen? Im Jahre 2002 bekam Griechenland als Beitrittsland zur Euro-Zone eine „Bluttransfusion“, ein „neues Herz“! Das Herz und das Gehirn eines 20-jährigen wurden an einem 60-jährigen transplantiert! Ein Porsche Motor in einer Schrottkiste!

Das war Simitis Rache! Welches Griechenland existierte im Jahr 2000? War es nicht Herr Mitsotakis von 1990 bis 1993, der zum ersten Mal aussagte, dass man die Staatsbediensteten und die staatlichen Fahrzeuge aufzählen sollte? Technische Hilfe vom IWF in Anspruch nehmen? (wir damals, und nicht die Europäer heute). War es nicht Professor Spraos und andere, die über die „Zeitbombe des Versicherungssystems“ sprachen, die Griechenland in die Luft blasen würde (Gesetzentwurf von Sioufa des Jahres 1992)? Und wir haben Herrn Koutroumani und Herrn Papakonstantinou beauftragt, die weltweit schwierigste, finanzielle Gleichung zu lösen, ohne jedwede Mitteilung an das Volk und ohne Legalisierung. Vor allem aber ohne „Geschmack und Ausgangspunkt“ (Benchmark). Heute steht vor uns Herr Samaras, der das bereits Unterzeichnete von Herrn Veniselos als eine Einbahnstraße verwaltet, während wir über eine Neuverhandlung sprechen, obwohl wir im Prinzip eine zeitliche Veränderung meinen.

In der Zwischenzeit bekommen wir eine simple und absolute Bluttransfusion von Europa, die mit Sicherheit in Richtung der Verwesung und des Todes führt ….

Sie alle sollten mal bedenken, weshalb die Währungsunion des Arabischen Golfes (GMU) oder auch die entsprechende asiatische Währungsunion (ASU) nicht funktioniert hat. Waren diese Menschen blöd? Mit Gerüchten über eine eventuelle Abweichungsklausel kann es jemals möglich sein, dass diese Maßnahmen zum letzten Mal getroffen werden? Kann es der Wahrheit entsprechen, dass die griechischen Politiker die Buchhalter des Mnimoniums darstellen (Daskalopoulos – Verband der griechischen Unternehmen und Industrie {SEB}), und mit den „Troika – Angestellten“ verkehren? Insbesondere wenn etwas Wahrheit an das „spezielle Konto“ liegt?

In allen Fällen muss die Bewältigungsweise des Problems von passiv auf aktiv wechseln. Sagen wir mal, dass Griechenland die nächste Rate nicht bekommt, müsste es nicht – als ein unabhängiger Staat, einen Plan – B bereithaben?

Herr Dragi hat Recht, manche Diskussionen müssen etwas „kontrollierter“ stattfinden. Ab dem Zeitpunkt, zu dem die Haushaltsanpassung einen Strukturcharakter annimmt, sollte auch die Bewertung der Tätigkeiten langfristiger gestaltet werden und der Haushaltsplan langfristige Zielsetzungen erhalten … . Wir sollten uns nicht mit einem Liquiditätszufluss, gestützt auf die Verhältnisse einer Währungssterilisierung, fortbewegen, mit Bedingungen, die bekanntgegeben werden, z.B. OMT – outright monetary transactions! (in der Umgangssprache wird das Weitergabe von vordatierten Scheck genannt).

Große Absichten, kurze Details … wie die Amerikaner sagen … Während sich Griechenland – im Moment des Bankrotts- mit der Abschaffung steuerähnlichen Abgaben (N. Siomopoulos – in der Zeitung VIMA 25/10/12) beschäftigt, und ob sich die „Adeligen“ der griechischen Gesellschaft dem EOPYY (nationale Organisation für Gesundheitsdienstleistungen) anschließen werden, in einem Parlament, das sich den Kopf zerbricht, ob und in wie die unzureichenden und eidbrüchigen Staatsbedienstete entlassen werden, bleibt natürlich keine Zeit zur Untersuchung und zur Problematik, auch nicht über die Aussagen von Herrn Berlusconi, welche über einen „Betrug des Euros“ und über die politische Wahrnehmung der Deutschen sprechen (Erklärung der Haushaltsstabilisierung), weder über der Schlagzeile der Tageszeitung Le Monde vom 9. Oktober 2012 : „Wird Troika Griechenland in den Bankrott führen?

Das Zitat von Barosso soll uns Optimismus schenken: „Europa muss in einem Staatenbund umgewandelt werden„, oder wenigstens die Ermunterung von G. Soros an die Deutschen: „Verlasst oder führt endlich den Euro!“ (lead or leave Euro).

Wir wollen hoffen, dass eine soziale Explosion noch dauern wird, sowie die vorhersehbare Verfassungsumleitung Griechenlands durch Herrn Michel Rocard. (Da es seiner Meinung nach nicht möglich ist, ein Land demokratisch zu regieren, welches 30% seines Einkommens verloren hat, seine Arbeitslosigkeit bei 25% und die Unternehmen eins nach dem anderen schließen). Da wir ja bereits in ein Europa der zwei Ebenen leben, und nicht der zwei Geschwindigkeiten. Diese zwei „Europas“ können nicht dieselbe Währung haben … .

Das heutige Chaos ist genau das Ergebnis einer Politik, die glaubte, die Finanzgesetze unterschätzen und ignorieren zu können! Im Laufe der Zeit siegen aber immer die Finanzvorschriften … (Hans Werner Sinn). Dennoch einige möglichen Szenarien?

  • Politische Einheit von Europa (ist die Rede nur von einer Verschuldung? S. meinen Artikel in ETHNOS vom 15/5/2010)
  • Soll ein eventueller Versuch von den Europäern vorgenommen werden, anstatt 17+10, 16 + 11 zu rechnen? (eine nationale, wettbewerbsfähige Währung im Rahmen der E.E.)
  • „Scheidung“, mit einem ersten Beispiel das von Griechenland (wir sollten nicht vergessen, dass Merkels Anfangsplan von 2003 die Verweisung der hochverschuldeten Länder in den Europäischen Gerichtshof war, mit einer Strafliste und einem Bankrottmechanismus der Länder …!)

Jedoch trägt für das Scheindarlehen auch der Banker Schuld … .

Das war mal Griechenland! Wie viele Staatsbedienstete und wie viele Ministerien wurden im Jahre 2002 gezählt, als wir der Eurozone beitraten? Wer hat die „Anleihfälschung“ der Goldman Sachs gelesen? War der deutsche Obsthändler Herr Ackermann? Tragen unsere kritischen Gläubiger Verantwortungen? Was die griechischen Politiker betrifft: die falsche Diagnose ist noch schlimmer als eine inkompetente und unehrliche Führung.

P.S. Alle fragen mich, was ich vorhersehen kann, und wann es geschehen wird. Meine Antwort: es gleicht der Frage an jemanden im Jahre 1940, wann seiner Meinung nach der Krieg beendet würde! Genaue Vorhersagen können nur zufällig sein … (auch wenn es Frau Merkel auf 5 Jahre festlegt) Auf dem Weg zur Katastrophe ist eine außenkräftige Aktion, die den Fall hindern soll, unberechenbar (Der Spiegel vom 5/11/12 erwähnt bereits Maßnahmen für einen Notfall). Falls dieser verhindert werden kann … .

Ich möchte Herrn Schäuble glauben, dass er keine Lösung, die von den Märkten als „nicht nachhaltig“ für Griechenland betrachtet wird, genehmigen wird … Genau das Gegenteil von seinen jetzigen Handlungen … . Außerdem ist es nie zu spät für ein Happy End!



Ein Gleichnis zur Finanzkrise in Griechenland

Publiziert am 24.Juli.2012 von Abraam Kosmidis

Die Parabel von dem kranken Patienten – ein Gleichnis zur Finanzkrise in Griechenland.

Jetzt ist es wieder so weit. Griechenland soll nach dem erneuten Wunsch einiger Politiker wieder mal aus dem Euro heraus gedrängt werden. Es soll kein Geld mehr in ein „Fass ohne Boden“ fließen. So plausibel diese Ansicht klingen mag umso kurzsichtiger ist sie. Es wurde bereits viel zur Griechenland-Krise gesagt, deshalb wird das Thema hier jetzt einmal aus einer anderen Perspektive dargestellt.

Eine Epidemie nimmt ihren Lauf:

Ein Infekt verbreitet sich rasch von den USA nach Europa. Ein bereits schwer kranker Patient, wird infiziert. Er geht zum Arzt. Dort wird ihm zu seiner Genesung eine Medizin verschrieben. Die Diagnose und die verabreichte Medizin erweisen sich jedoch als falsch. Der Zustand des Patienten verschlimmert sich deshalb dramatisch. Jetzt sagt der Arzt, dass man dem Patienten nicht mehr helfen könne und dass nicht die falsch verschriebene Medizin, sondern der Patient selbst an der Verschlimmerung seines Zustandes schuld sei. Da man nichts mehr für ihn machen könne, solle er auf die Selbstheilungskräfte seines Organismus hoffen oder auf sein Ende warten. So, oder so ähnlich lässt sich die Situation kurz vor und nach Eintritt der Griechenland Krise in wenigen Worten beschreiben.
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Europas Schande – Ein Gedicht von Günter Grass

Publiziert am 6.Juni.2012 von Abraam Kosmidis

Da hat er mir aus der Seele gesprochen, der Günter Grass. Danke. Schande Europas – die Idee Europas ist für mich tatsächlich schändlich gescheitert. (Ein Artikel von Michaele Cerstin Frey)

Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht,
bist fern Du dem Land, das die Wiege Dir lieh.
Was mit der Seele gesucht, gefunden Dir galt,
wird abgetan nun, unter Schrottwert taxiert.
Als Schuldner nackt an den Pranger gestellt, leidet ein Land,
dem Dank zu schulden Dir Redensart war.
Zur Armut verurteiltes Land, dessen Reichtum
gepflegt Museen schmückt: von Dir gehütete Beute.
Die mit der Waffen Gewalt das inselgesegnete Land
heimgesucht, trugen zur Uniform Hölderlin im Tornister.
Kaum noch geduldetes Land, dessen Obristen von Dir
einst als Bündnispartner geduldet wurden.
Rechtloses Land, dem der Rechthaber Macht
den Gürtel enger und enger schnallt.
Dir trotzend trägt Antigone Schwarz und landesweit
kleidet Trauer das Volk, dessen Gast Du gewesen.
Außer Landes jedoch hat dem Krösus verwandtes Gefolge
alles, was gülden glänzt gehortet in Deinen Tresoren.
Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure,
doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück.
Verfluchen im Chor, was eigen Dir ist, werden die Götter,
deren Olymp zu enteignen Dein Wille verlangt.
Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land,
dessen Geist Dich, Europa, erdachte.

(Autor: Günter Grass)
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Griechenlands Wirtschaftskrise und die Lehren aus der Geschichte

Publiziert am 24.Mai.2012 von Abraam Kosmidis

In diesem Blog wurden in den letzten beiden Jahre zahlreiche Artikel zu den Ursachen und Auswirkungen der ursprünglichen Bankenkrise, der Griechenland und Eurokrise, sowie der globalen Finanzkrise verfasst.

Auch wurden die Ursachen zu den hausgemachten Problemen in Griechenland wiederholt dargelegt (Die Beseitigung der wahren Gründe der Krise in Griechenland – Chance für einen Neuanfang, Blogbeitrag vom 13.02.2010). Deshalb soll an dieser Stelle nur nochmals kurz erwähnt werden, dass die tiefgreifende Strukturkrise in Griechenland eines radikalen Kurswechsels und umfassender Strukturreformen bedarf. Hierzu zählen selbstverständlich die Privatisierung von staatlichen Unternehmen, Rationalisierung bzw. Schließung von unrentablen oder überflüssigen staatlichen Institutionen, Verkleinerung des Staatsapparates durch Freisetzung von Beamten, Anpassung der Löhne und Gehälter an die tatsächliche Produktivität des Landes und seinem Wachstum, Modernisierung der Verwaltung, Abbau der Staatsschulden und Erhöhung der Produktivität sind nur einige der wichtigsten Maßnahmen, welche einer unmittelbaren Umsetzung bedürfen und auch zum Teil schon umgesetzt wurde. (Siehe hierzu Blogbeitrag vom 01.07.2011 Neue Sparmaßnahmen in Griechenland und Blogbeitrag vom 12.09.2011 Griechenland-Krise als Neuanfang begreifen).

Dies ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ist immer wieder zu betonen, dass die Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise in Griechenland nicht allein mit Spar- und Rationalisierungsmaßnahmen zu erzielen ist. Massenentlassungen, Lohn- und Rentenkürzungen, erheblichen Steuererhöhungen und der damit einhergehende Umsatzeinbruch des Einzelhandels führen letztendlich zu weiteren Entlassungen, Minderung der Steuereinnahmen, Umsatzeinbrüchen und Wirtschaftsschwund. Die Wirtschaft des Landes befindet sich deshalb in einer Abwärtsspirale und mittlerweile in einer tiefen Depression. Dies hat in Griechenland den steten Rückgang der Steuereinnahmen zur Folge, welche nach all diesen Maßnahmen nun noch niedriger sind, als vor ihrer Ergreifung. (Siehe hierzu auch Blogbeitrag vom 31.05.2011 Spart sich Griechenland in eine Depression?). Als zweites Standbein zur Sanierung der Finanzen des Landes sind deshalb neben dem Sparprogramm auch Investitionen zur Ankurbelung der Wirtschaft und für die Schaffung von Wirtschaftswachstum erforderlich. Auch hierzu wurde an dieser Stelle wiederholt ausgeführt. (Blogbeitrag vom 10.02.2012 Sparmaßnahmen und Finanzhilfe für Griechenland sind ohne Investitionen sinnlos)

Welche Lehren kann man also aus der Geschichte ziehen und daraus Erkenntnisse für die Bewältigung der Krise in Griechenland gewinnen? Die deutsche Geschichte bietet hierzu einige Ansatzpunkte. So ergeben sich z. B. Parallelen bei der Betrachtung der Zustände in der Weimarer Republik.
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